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Sabine Pommerening - Bühne & Kostüm - 6.12.14-6.2.15

 

 

Gedanken zum Tag

 

Der Winter ist die Zeit für Geschichten. Wenn es dunkel wird und kalt, sind die Menschen schon immer näher zusammengerückt und haben sich Legenden und Lieder aus alten Zeiten erzählt. Geschichten, die wenn man sie nicht bewahrt, im Sande der Unendlichkeit verlaufen würden, vom Vergessen verschluckt, vom Verdrängen verdunkelt. Aber wir brauchen diese Geschichten, weil sie ein Stück von uns sind, weil sie vom Leben erzählen und vom Sterben, von Menschen und Magiern

 

Für die kurze Zeit, inder wir diesen Geschichten zuhören, entfliehen wir für einen Flügelschlag der Zauberfee aus unserem Alltag, halten inne und gehen einen Schritt zurück in unsere Erinnerungen.

 

Heute, im Zeitalter der Globalisierung, des Turbokapitalismus und des Internets, welches unser Gefühl von Zeitknappheit, Zersplitterung und Ausgebranntsein beschleunigt, wächst nicht nur das Bedürfnis nach Entschleunigung sondern auch die Einsicht, dass Fortschritt von Beschleunigung entkoppelt werden sollte: Um forwärts zu kommen, müssen wir entschleunigen!

Innehalten, nachdenken, Gelassenheit – das sind die Gegenpole zur Bewegung, ohne die diese Bewegung unweigerlich im Hamsterrad endet. Keine Bewegung, ohne Ruhe. Und nach der Besinnung wieder neue Bewegung.

 

Das ist der Circle of Life.

 

Und dabei kommt dem Märchen, an welches wir uns leider oft nur zur Weihnachtszeit erinnern, eine ganz besondere Rolle zu. Märchen sind –oft nur  in Gut und Böse eingeteilt- die in Geschichten geronnene Lebenserfahrung der Menschen, die ewige Hoffnung auf ein Happy End, weil nur die schönen Erinnerungen bleiben. Und diese glücklichen Erinnerungen sind das Wertvollste, was wir Menschen besitzen.

 

Die Arbeiten für das Theater von Sabine Pommerening zeigen einen kleinen Ausschnitt aus Bühnen- und Kostümentwürfen für die Inszenierung „Schneewittchen und die zwei Zwerge“ am Theater Rudolstadt.

 

Sabine liebt ihre Figuren als wären es ihre Kinder. Sie legt diese Liebe in ihre Arbeit, durchdringt selbst die finstersten Charaktere und gibt ihnen die Chance die Herzen der Zuschauer zu bewegen.

Theater ist die Kunst Geschichten zu erzählen, wie sie so vielleicht nie passiert sind, aber täglich Realität werden können.

 

Theater stellt bloß, überhöht, provoziert, hat das Lachen und das Weinen, das Salz des Lebens eben auf seiner Seite.

 

Jeder, der in diese Welt der Figuren, Phantasien und Bilder eintaucht, wird erkennen, dass das Theater lebt, schon mehr als 2500 Jahre und es weiter lebt, wenn es nur immer wieder von diesem Leben, der Liebe und Leidenschaft, dem Werden und Vergehen und auch den Träumen der großen und kleinen Helden erzählt. Und so sind die Erinnerungen- auch unseres Lebens- meist an diese guten Helden geknüpft.

 

Lassen wir es so und nehmen wir diese Ausstellung als Möglichkeit uns dieser guten Geschichten zu erinnern und derer, die uns auf diesem Weg begegnet sind und begleitet haben.

 

Irgendwann endet dieser unser Lebensweg in der Unendlichkeit der Sterne und wir verlieren uns aus den Augen. In den Gedanken derer die bleiben aber leben wir weiter. Sorgen wir dafür, dass unsere Geschichten ein Happy End haben-nicht nur im Theater.

 

Eine schöne Weihnachtszeit und gute Gedanken wünsche ich allen.

 

​​Michael Pommerening im Dezember 2014

 

Jörg Engelhardt    Skulptur/Plastik     12. 10. - 30.11.2014

Worte am Sonntag: Von Affen und anderen Menschen

Der Affe, so niedlich, so kindlich, so naiv, so menschlich?

Als Charles Darwin 1859 sein Hauptwerk "Die Entstehung der Arten“ veröffentlichte, war Spott und Unglaube die Reaktion. Darwins Kritiker waren vor allem Geistliche und an der Bibel orientierte Wissenschaftler, die Darwins Theorie, dass alle Lebewesen von einem gemeinsamen Vorfahren abstammen würden als absurd abstempelten. Und noch wird im Land der unbegrenzten Möglichkeiten – der selbsternannten Schöpfung der Moderne- Darwins Theorie noch heute teilweise  vehement abgelehnt und bekämpft.

 

Im Zoo und Tierpark, ja dort drücken wir uns die Nasen platt und eigentlich doch nur um zu sehen, wie viel menschliches da vor unseren Augen rumalbert, rumtollt und rumspielt  -und die Welt auf dem engen Raum ihres Käfigs trotzdem jeden Tag neu entdecken will.

 

Und recht eigentlich staunen wir doch immer wieder, wie ähnlich unsere vermeindlichen Vorfahren uns doch wirklich noch sind. Am liebsten sehen wir, wenn sie sich kratzen, nach Flöhen absuchen, Grimassen schneiden.. sich halt so richtig zum Affen machen.. dann klicken die Smartphones  und machen uns ein Bild von unserer eigenen humanen Vorvorzeit.

Hightech trifft Steinzeit.

 

Aber diese Zeit haben wir Menschen ja Gott oder Darwin sei Dank schon lange hinter uns, sodass wir nur ab und daran erinnert werden müssen, wie alles so angefangen hat mit der Menschwerdung. Und abgesehen von ein paar Ausnahmen oder Entgleisungen zur mitternächtlichen Stunde im bayrischen Wiesnzelt oder der mallorquinischen Schinkenstrasse benehmen wir uns ja doch recht zivilisiert.

Also bleibt beim bestaunen von Schimpansen, Orans und Co. doch ein wenig Bewunderung für Wesen, die sich immer noch ihre fast kindliche Naivität und –Neugier erhalten haben und beim Bestaunen dieser Welt so gar nicht cool und affengeil sind.

 

Schimpansen sind unsere nächsten lebenden Verwandten im Tierreich. Und wer sich wissenschaftlich mit diesen Lebewesen befasst, der weiß, dass wir uns in vielen Dingen sehr ähnlich sind: Schimpansen basteln Werkzeuge, sie führen Kriege, kooperieren miteinander und manchmal handeln sie sogar uneigennützig und im Sinne der Gemeinschaft!

 

Die Kirche glaubt, der Mensch sei von der Hand Gottes geschaffen. Warum glauben das die Affen wohl nicht? Können Tiere überhaupt glauben. Haben Sie schon mal einen Affen beten sehen oder beichten? Facebook und Google als angebetete Götter der Neuzeit scheinen zu meinen, wenn der Mensch die Krone der Schöpfung Gottes ist, hat Gott auch das Recht alles über jeden zu wissen – die digitale Beichte eben…nur das hier alle mitlesen können.

 

Auch wir Menschen haben ab und an den Drang dem Affen zu richtig Zucker zu geben, einen Salto zu schlagen, dem fiesen Chef den Nackten zu zeigen…aber leider geht das nicht, wir müssen schön artig funktionieren. Wir sind eben zivilisiert und frei.

 

So frei, dass Börsianer in Schlips und Kragen nach ihrer revolutionär-alternativen Phase an der Uni die Welt ohne Scham in die Krise stürzen, dass hemmungslos abgehört und belauscht wird, wilder und perfekter als jeder Geheimdienst des roten Ostens das je konnte. Und von den  Plakaten des staatlichen Politzirkus lächeln sie uns an und verkaufen uns ihre charmanten Versprechen auf Besserung, um sie dann recht bald zurücknehmen.

 

Gott lobe die Freiheit!

 

Aber dies alles lässt sich ertragen, weil es ja den Genuss des Wohlstands gibt. Einigen aber reicht das nicht, um sich die Augen vor der Realität zuzuhalten, den Mund und die Ohren gleich mit.

 

Einer von ihnen ist Jörg Engelhardt. Er hat diesen Menschenzirkus in seinen Affen versteckt, hat menschliche Schwächen und Entgleisungen in seiner Manege zusammengetrieben. Die Eitlen, die Chefs und Clowns, die Spaßmacher und Spielverderber….alle haben in seinem Affenzirkus Platz und ihre Dompteure gefunden.

 

Diese seine Affenwelt erarbeitet sich Jörg Engelhardt in dem gleichen Atelier, in dem auch der Hofbildhauer von Adolf dem Großen Weltverderber – Arno Breker mit Namen- damals seine Übermenschen gebastelt hat. Idealisiert, fehlerlos und makelfrei.

 

Ganz anders die Affen von Jörg Engelhardt- erfrischend klein, tierisch lustig, mit Fehlern und Macken ausgestattet…wie wir Menschen. Sie wollen König sein und Clown, Macho und Kobold.

 

Jörg Engelhardt lebt seine ungezügelte Lebenswut und schelmische Phantasie an seinen Figuren aus.

 

Seine Figuren sprechen zu uns. Von Trauer und Freude, von Lust und Last am Leben, von den vielen tausend Stimmungen, die unseren Alltag ausmachen. Sie tun das ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Naiv, ehrlich, hemmungslos…wie es nur Affen können.

 

Engelhardt ist brillant in seiner Formgebung, immer auf dem Weg und immer das Gefühl vermittelnd, dass seine Figuren noch nicht fertig sind, noch auf der Suche. Das Leben aber lässt uns oft nicht die Zeit für diese Suche. Das Leben braucht uns perfekt mit Haut und Haar und Haus und Hof am besten…und lässt so die Kassen der Psycho-Heiler heller klingen.

 

Aber Kunst kann das eben: über sich selber lachen, Fehler zeigen, den Phantasien Zucker geben, das Leben nach einem Sinn durchsuchen und manchmal auch einfach nur träumen….. als wären wir Affen.

 

Dabei nimmt uns Jörg Engelhardt an die Hand und führt uns in seine Welt der Gleichnisse und Spiegel.

 

Also hereinspaziert in das Universum der Affen von Jörg Engelhardt, das für ein paar Wochen zuhause ist in der kleinsten Galerie der Welt, hier in Regenmantel dort in Dolgelin.

 

Michael Pommerening

 

Regenmantel im Oktober 2014

Alexandra Weidmann   Malerei  10.8. - 11.10. 214

Worte am Sonntag: The Circle of Life.

 

Geboren werden, zur Schule gehen, einen Beruf suchen, heiraten, Kinder bekommen, alt werden und sterben – das ist der sich seit Menschengedenken wiederholende Kreislauf des Lebens. Der Mittelpunkt dieses Circle of Life aber ist dann die Hochzeit, die Heirat. Aus dieser neuen Gemeinschaft der Liebe entsteht neues Leben, damit dieser Kreislauf nie endet, sich das Leben spiralartig in die Unendlichkeit fortsetzt.

 

Und dieser Kreislauf ist es doch, der uns hoffen lässt, dass der Wahnsinn der Kriege, die Brutalität des Mordens, der blutige Kampf der Religionen einmal ein Ende hat.

 

Das Wort Hochzeit leitet sich von Hohe Zeit ab, das Wort Trauung von gegenseitigem Vertrauen. Wahrscheinlich also ist der Tag der Hochzeit der Höhepunkt des Sich-Vertrauens zweier Menschen und die Hoffnung darauf, dass dieses Vertrauen ein Leben lang hält.

 

Bei der Hochzeit findet in vielen Kulturen ein ritueller Austausch von Gütern oder Diensten statt (Brautgabe, Mitgift, Morgengabe, Brautbuch). Diese gehören in vielen Fällen zu den wichtigsten ökonomischen Transaktionen im Leben eines Menschen neben der Kinderversorgung.

 

Wo sie in den ach so hochzivilisierten Ländern immer mehr aus dem Zentrum des Lebens verschwindet, ist die Heirat in vielen Ländern der Erde eine fast schon heilig gehaltene Tradition.

 

Es gleicht einem Volksfest, wenn z.b. in Berlin ein türkisches Paar heiratet. 1.000 Gäste auf dieser Zeremonie der Traditionen sind da keine Seltenheit. Und die Eltern richten diese Hochzeit aus, gehen sehr oft bis an der Rand der finanziellen Spekulation. Die Geschenke sind so kostbar wie das Brautkleid und die Roben der geladenen Kronzeugen dieses Hohen Tages.

 

Aber Eines sind diese Festlichkeiten mit der Hochzeit als Olympiade sozusagen auf jeden Fall: Eine Begegnung der Generationen. Ein Austesten der Toleranzbereiche und der Anpassungsfähigkeit zwischen den Alten und den Jungen. Zwischen diesen beiden Versuchsebenen liegt immerhin ein ganzes Menschenleben.

 

Schauen sie sich alte Familienfotos an, von Feierlichkeiten, auf denen mehrere Generationen zusammen kommen. Dort wird getanzt, gegessen und getrunken und je fortgeschrittener die Stunde, je mehr machen Geschichten aus einer längst vergangenen Zeit die Runde. Geschichten, die wenn man sie nicht bewahrt, im Sande der Unendlichkeit verlaufen würden, vom Vergessen verschluckt, vom Verdrängen verdunkelt. Aber wir brauchen diese Geschichten, weil sie ein Stück von uns sind, weil sie vom Leben erzählen und vom Sterben, vom Gut und Böse, von Mensch und Magie.

 

Und so Vielschichtig das Verhältnis der Menschen zueinander im Alltag ist, ebenso viele Charaktere, Stimmungen und Ansichten treffen bei so einem hohen Fest aufeinander.

 

Alexandra Weidmann deren Arbeiten wir heute bestaunen und bewundern dürfen, hat eine Eigenschaft, die ein Künstler braucht, um über Alltägliches hinwegzusehen: Sie schaut in das Innere dieser menschlichen Interaktion, durch die Oberfläche hindurch. Sie wagt einen Blick unter die Maske, die sich Menschen überstreifen, um das Elend, die Not und eigene Makel zu verstecken.

 

Alexandra Weidmann benutzt Fotos aus ihrer Kindheit, aber auch andere Lichtbilder, Momentaufnahmen auf dem Weg den wir Menschen gehen. Ihr Malen ist  wie, wenn man alte Kleidungstücke auftrennt, Ihnen den Schnitt einer schon verblichenen Mode nimmt und mit eigenem Konzept wieder zusammennäht…mit eigenen Sichtweisen, Erfahrungen und Temperament.

 

In ihren Werken zeigt Alexandra Weidmann uns die vielen Gesichter, die wir haben können. Die Unschuld in rosa, das Gönnerhafte in schwarz und das Geheimnisvolle in grau.

 

Dabei entstehen Kunstwerke von eigensinniger Vielschichtigkeit, von emotionaler Kraft und bizarrer Visionen.

 

Diese Einheit von Erlebtem und Erdachtem fügt die Phantasie und das Können von Alexandra Weidmann zu einem Kunstwerk ganz besonderer Güte. Die realen Traumwelten und –figuren tun das, was wir viel öfter tun sollten: Sie zeigen uns die andere Seite des Ichs mit dem Spiegel, den so fein geschliffen und geputzt nur ein Künstler ihn uns vorhalten kann, der auf so wundervolle Weise wie Alexandra Weidmann ihr Handwerk versteht und Geschichte und Geschichten auseinandernimmt um sie wieder neu in anderem Gewand entstehen zu lassen, damit wir die Welt immer wieder neu sehen und uns erklären können.

 

Haben Sie den Mut und schauen in den phantastischen Spiegel der Künstlerin Alexandra Weidmann hier in der Natur und der kleinsten Galerie der Welt.

 

(Michael Pommerening im August 2014)

 

Elke Pollack  Malerei   21.6. - 10.8.2014

Worte am Sonntag. Gestalten in Bewegung.

 

Die heutige Ausstellung mit Bildern der Berliner Malerin Elke Pollak hat den Titel „Bewegte Gestalten“. Und das erste Mal können wir nun ein Konzept anbieten, welches in den folgenden Ausstellungen mehr und mehr an Bedeutung gewinnen soll.

 

Arbeiten, verteilt über zwei, später einmal drei Galerien, sollen erst nach der kunst-touristischen Rundreise den ganzen Zusammenhang dieser einfachen Konzeption verstehen.

 

So beginnen wir hier in Dolgelin heute Teil 1 diese Ausstellung zu eröffnen, die dann in Regenmantel zeitversetzt fortgesetzt wird.

 

Bewegung ist das Treibmittel unseres Lebens. Kunst findet Momente der Bewegung und hält diese Sekunden im Blick des Betrachters fest. Dann zieht das Leben weiter und wir haben in einem Kunstwerk erahnt wie unendlich die Stationen des Lebens sind.

 

In Abertausenden von Einzelbildern setzt sich die Bewegung fort. Nichts wird sein wie es noch Sekundenbruchteile vorher war, es gibt keinen wirklichen Stillstand. Der wird nur von Menschen künstlich erzeugt, um Macht zu erhalten, Vorteile zu sichern und verstaubte Positionen zu retten.

 

Der Chef der obersten Fussballmafia und krisenerschütterten Zuwendungselite zum Beispiel hat sich per Beschluß gerade erfolgreich gegen Bewegung in der erstarrten FIFA gewehrt und sein Mandat verlängert. Dann hat er vor - quasi eine interplanetare G……wirtschaft auf dem Mars zu etablieren? Katar hat ja noch Millionen, aber wo sollen die die Marsianer diese hernehmen?

 

Elke Pollack zeigt uns Menschen, Figuren, Dinge in Bewegung. Ihre Strichfiguren gefüllt mit Farbe und prallem Leben scheinen immer unterwegs zu sein, immer auf der Suche und immer mit einem herzergreifenden Lachen im Gesicht.

 

Skurril, etwas schräg von der Rolle, verträumt… traben sie per Rad und per Pedes durch die Häuserlandschaft von Berlins Prenzlauer Berg. Elke Pollack zeigt Menschen auf der Reise, auf der Durchreise manchmal, auf der Suche auch. Sie scheinen unendlichen Spaß an diesen Reisen zu haben.

 

Ob sie wirklich ein Ziel haben, wissen wir nicht. Aber die Konfuzius zugeschriebene Erkenntnis, dass oft der Weg das Ziel ist, zeigt sich in diesen Bildern ganz besonders. Das heißt doch eigentlich nur: Mensch denk nicht ständig an das Ergebnis, daran, was raus kommt am Ende. Die Botschaft vielleicht: Mach dich auf den Weg, hast  du erst einmal die Richtung erkannt.

 

Ergebnisorientiertes Denken ist das Schlagwort einer nach Werten ausgerichteten Gesellschaft. Auf dem Weg zu diesem Ergebnis wird dabei oft vergessen, dass wir viel am Wegesrand unbeachtet zurücklassen: die schönen Dinge des Lebens, die Freundschaft, die Liebe und allzu oft auch die Menschen, die uns nahe sind.

 

Das kann nicht der Sinn des Lebens sein.

Auf Reisen sein –auch eine Art sich zu bewegen- sind die schönsten Wochen des Jahres und sind der größte Arbeitsbeschaffer der Welt: 200 Millionen Jobs hängen an der Tourismusindustrie.

ABER: Heute, im Zeitalter der Globalisierung, des Turbokapitalismus und des Internets, welches unser Gefühl von Zeitknappheit, Zersplitterung und Ausgebranntsein beschleunigt, wächst nicht nur das Bedürfnis nach Entschleunigung sondern auch die Einsicht, dass Fortschritt von Beschleunigung entkoppelt werden sollte: Um weiter zu kommen, müssen wir entschleunigen!

 

Innehalten, nachdenken, Gelassenheit – das sind die Gegenpole zur Bewegung, ohne diese Bewegung sonst im Hamsterrad endet. Keine Bewegung, ohne Ruhe. Nach der Besinnung wieder Bewegung.

 

Dieses Maaß zu finden bildet Elke Pollack in ihren Bildern in der Galerie TRAFO.1 in Regenmantel ab. Hier ruhen die Gestalten, schauen uns an und durch uns durch. Der Blick verloren in der Ferne, Sehnsüchtig fast ….und schon spürt man das Nahen der Bewegung, die uns wieder mitreist in den Alltag, in das unendliche Blau des Himmels, oder der Meere. Die Dialektik eben von Bewegung und Entschleunigung, Ying und Yang….

 

Bitte nehmen Sie sich einige Augenblicke Zeit, entschleunigen Sie bei der Kunst hier am Feldrand in der kleinsten Galerie der Welt.

 

(Michael Pommerening, Juni 2014)

 

Frank Weber    Malerei    11.5. - 20.6. 2014

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Worte am Sonntag: MenschenBilder

 

Die heutige Ausstellungmit Arbeiten von Frank Weber steht unter dem Motto: Menschenbilder sind Bilder, die ich mir vom Menschen mache.

 

Im zweiten Gebot im 5. Buch Moses heißt es:

Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas. Die Bibel meint damit sicherlich, dass alles Gott ist oder Gott so groß ist, dass er keinem Bild gerecht wird.

 

Aber gleichzeitig braucht die Kirche doch jemanden, den die Menschen anhimmeln können, dem sie Ablass spenden, dem sie ehrfurchtsvoll und voller Demut gegenüber treten können.

 

Denn ohne Bilder keine Altäre, keine prunkvollen Kathedralen, keine Opferstöcke – kein Geld im heiligen Topf der Pracht und des Prunks der Vertreter Gottes auf Erden. Schönen Gruß auch von Tebartz…..

 

Können Sie sich eine Welt ohne Bilder vorstellen?

Aber das zweite Gebot übertritt nicht nur die Kirche. Jeder von uns macht sich Bilder. Mit Kamera, Handy oder nur im Kopfkino.

 

Die Zeit der Bilder von da Vinci, van Gogh und Co. sind verblasst, haben an Bedeutung verloren. Geben Sie bei Google mal ein „Ein Bild machen“: Raten Sie jetzt, was der erste Treffer ist:……Sie ahnen es, keine Anleitung zum Malen sondern: „Bilder mit der Webcam machen“.

 

Sicherlich kann Frank Weber auch fotografieren, Bilder mit dem Handy machen, aber was er – so spekulier ich mal- noch lieber mag und kann, ja was für ihn zum Lebensinhalt geworden ist, das hat Hand und Fuß, Auge und Ohr, kann lachen und weinen, träumen und verzweifeln.

 

Aus seinen Bildern schauen uns Menschen an, die unter seinem Pinsel zu Archetypen geworden sind, wie wir ihnen täglich begegnen. Überzeichnet natürlich, denn das macht sie zu Kunstwerken, aber trotzdem zutiefst menschlich, weil fehlbar und nicht idealisiert. Schief und schielend, dick und glotzend möchte man ihnen in den Bauch pieken, belächelt man sie, weil wir uns selbst in ihnen entdecken können. Denn wir haben es gelernt, uns ein Bild zu machen. Gott sei Dank, …obwohl der eben gerade nichts dafür kann.

 

Laut Duden verstehen wir unter : „sich ein Bild machen“ nämlich (sich) eine Meinung bilden , etwas kontrollieren, etwas überprüfen, (sich) informieren (sich) schlaumachen. Denken nämlich ist die erste Bürgerpflicht. Wir machen uns ein Bild von unserer Welt. Leider lassen wir uns allzu oft benebeln durch falsche Heilige und wahre Propheten, durch trügerischen Glanz und verlogenen Schein.

 

Dann entstehen Trugbilder, die uns einlullen, einschläfern zu Herdenvieh machen. Das aber wollen wir gerade nicht.

 

Also schauen wir zu, wie es der Künstler macht mit seinem Bild vom Menschen. Würde er den Menschen abmalen, wie er ideal erscheint, so mag das gutes Handwerk sein, aber eben nicht mehr. Malt er diesen Menschen aber mit all seinen Schwäche und Fehlern, mit den Erfahrungen, die er als Künstler mit der ihn umgebenen Realität gemacht hat, malt er alles das mit hinein und sie als Betrachter entdecken in diesen Bilder einen Teil ihrer Lebenserfahrungen, dann ist das Kunst.

Und Kunst muss man einfach lieben, denn nur sie lässt uns die Freiheit Dinge zu denken, die man nicht denkt und Träume zu haben, die keinen Nutzen bringen.

 

Wie weit diese Liebe gehen kann sieht man bei dem kürzlich verstorbenen Kunstsammler Cornelius Gurlitt. Der hortete in seiner Münchner Wohnung 1300 Bilder großer Maler, nur um diese Bilder – diese Kunst- immer bei sich zu haben, sie zu betrachten und sie zu lieben. Und nie stand ihm der Sinn danach diese Kunstwerke zu Geld zu machen. Ihm reichte der ideelle Wert, die Erfahrungen der Maler dieser Kunstwerke, die unnachahmliche Aura die eben nur Kunst umgibt.

 

Gut soweit wollen wir es gar nicht treiben und können es sicherlich auch nicht.

 

Begnügen wir uns mit der Bilderwelt von Frank Weber und da haben wir schon genug zu entdecken. Kommen sie mit auf diese kleine Entdeckungsreise in  die bunte Tiefen und Untiefen der Welt von Frank Weber. Einer Welt voller Clowns und Helden, von Träumern und Phantasten.

 

Schärfen sie ihren Blick fürs Details, betrachten sie Alltägliches in einem anderen Licht. Dann hat Kunst für einen Augenblick jedenfalls ein winziges Staubkörnchen im Makrokosmos der Erkenntnis aufgewirbelt und durch sie als Betrachter in ein neues Licht gesetzt.

Auf an die Staubsauger.

 

Willkommen im kleinsten Kunstuniversum Brandenburgs in Regenmantel.

 

Michael Pommerening

Regenmantel, 11. Mai 2014

Menschenbilder. Malerei von Frank Weber. 11.Mai - 20. Juni

Heute möchten wir Ihnen in der Galerie TRAFO einige Arbeiten der Malerin Frauke Schmidt-Theilig vorstellen.

 

Die Bilder zeigen Menschen in Situationen, die auf den ersten Blick scheinbar eine verwirrte Beziehung zu der sie umgebenden Realität einnehmen.

 

Ein Mann mit einem Rotweinglas, der gerne einmal König wäre..andere wieder, die in ein Farbmeer getaucht den Blick in ein fernes Nirwana gewendet haben.

 

Alle scheinen sie Menschen im Hier und Heute zu sein und doch kommt es uns vor, als hätten sie sich mit einem besonderen Schein umgeben.

Wie ist das eigentlich mit dem Schein? Zeigt der Schein uns eigentlich die Wirklichkeit? Sind die Dinge so wie sie scheinen, oder erscheinen uns die Dinge oft nur so, wie wir sie sehen wollen, oder sie sich selber gerne sehen wollen?

Verdeckt der Schein das Wesen der Dinge, oder verkleidet der Schein das Wesentliche nur?

In der Computersprache spricht man von virtueller Realität, also der scheinbaren Wirklichkeit. Dies ist aber eigentlich ein Widerspruch in sich. Weil wir nicht mehr in der Lage sind, die objektive Wirklichkeit zu erkennen, nutzen wir oft den Schein um sie uns zu erklären.

Gegenpart zur Wirklichkeit sind Traum und Phantasie.

 

Es gibt Menschen, die flüchten sich in Phantasiewelten, weil ihnen ihre Realität oft zu banal vorkommt, zu alltäglich, zu langweilig. Sie suchen den Schein, der ihnen für einige Momente eine andere Welt vorgaukelt. Ob Superstar, Supermodel oder Supermann – all diese Wesen sind nicht die Wirklichkeit, sondern das Produkt der Illusions-Fabriken.

 

Die Kunst aber versucht den Dingen und Lebewesen auf der Grund zu gehen, sie zwar mit Phantasie und Utopien zu schmücken, aber nur, damit wir sehen und lernen, dass nichts so ist wie es scheint. Wer in der Kunst die Wirklichkeit sucht, muss zweimal hinsehen, muss unter die Oberfläche des scheinbar so Wirren gehen.

 

Warum setzt sich ein Mensch eine Krone auf? Vielleicht weil er im Alltag von seinen Sorgen so belagert wird, dass er keine Zeit und oft auch keine Möglichkeit hat, sich in eine andere Welt zu träumen. Und die Welt der Schönen, Reichen und Mächtigen ist nunmal für viele Menschen der Maßstab aller Träume, aller Hoffnungen.

 

Aber diese Welt ist eben oft nur scheinbar heil. Hinter dem Schein verbergen sich alle Spielarten des menschlichen Miteinander: Die Liebe, der Hass, der Neid, die Macht.

 

Warum erkenne wir die Wirklichkeit nicht, wie sie uns gerade jetzt wieder auf der Krim, der Ukraine ein Schnäppchen spielt. Wenn sich die Mächtigen der westlichen Welt wieder einmal für die Rechte der Anderen einsetzen, vermeintlich für deren Freiheit kämpfen und Russland auffordern wieder von seinen Positionen abzurücken. Dann geht es eben nicht um Menschenrechte, wie es scheint, sondern dieser zweifelhafte Schein soll verstecken, warum es in Wirklichkeit geht: um Macht, Einfluss und Erdgas.

 

Und schon wieder spielt die große Weltpolizei mit dem Feuer, nur diesmal nicht im Irak, oder in Afghanistan, sondern in unserem Wohnzimmer.

 

Kunst kann und soll nicht die Welt verändern, sie soll uns nur zeigen, dass hinter der Welt des Scheins noch viel mehr liegt, was es zu entdecken gilt.

 

Lasst uns unsere Welten bauen, dann werden die Illusions-Fabriken arbeitslos.

 

Auch in den Bildern von Frauke Schmidt-Theilig versteckt sich hinter der Fassade eine andere Wirklichkeit. Und wenn sie ganz genau hinsehen, können sie davon auch ein Zipfelchen entdecken, für sich, für ihre Welt der Phantasie.

 

 

 

 

 

Nichts ist so, wie es scheint.

 

Malerei von Frauke Schmidt-Theilig. Ausstellung von 30.3. - 11.5. 2014

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© Michael Pommerening KunstRegen2014