GROSS.STADT.MENSCH.

Malerei von Stefanie Blueaquin. 9.12.2012 bis 30.1.2013

 

Groß.Stadt.Mensch.

 

Herzlich Willkommen liebe Gäste und Freunde der Galerie TRAFO.1

 

Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, ob und wenn worin sich Großstadtmenschen von anderen unterscheiden?

 

Da fallen sicherlich dann Begriffe wie hektisch, oberflächlich, überheblich.

 

Und haben Sie sich liebe Großstadtmenschen schon einmal gefragt, ob Kleinstadtmenschen oder Dorfmenschen sich unterscheiden von ihren Brüder und Schwestern in der Big City.

 

Eines ist wohl erst einmal klar: Nach außen hin beneidet keiner den anderen…und doch ist bei beiden eine intensive Sehnsucht zu spüren: Entweder nach der großen, weiten Welt, dem Geruch von Glanz und Glamour oder im Gegensatz dazu der Ruhe, Gelassenheit und Entschleunigung.

 

Klar ist, mensch entwickelt sich anders in Stadt und Land. Sozialisation nennt das der Wissenschaftler, Umwelt formt den Menschen- der Volksmund.

 

Können sie sich vorstellen, dass 5 Menschen auf der Bordsteinkante sitzen und gemeinsam einen Döner essen, hier in Falkenhagen? eher wohl nicht…in Berlin, ja die sind verrückt, das kann schon sein. Oder sie sehen, dass nachts eine Frau im fahlen Licht einer Laterne lehnt und mit leerem Blick vor sich hin starrt, hier auf dem Land…warum sollte sie das tun? Ja aber in der Stadt schon, da sind sie so.

 

Stefanie Blueaquin zeigt uns diese groß.stadt.menschen. in ihren Bildern.

Typen, die es so nur in der Großstadt gibt. Dort, wo man anonym scheint und deshalb seine Seele gern nach außen hängt. Wo es so viel Leben gibt und deshalb jeder besonders sein will, wo mensch aber auch ausleben kann, was er unter dem ständig wachsamen Blick seines Nachbarn eher nicht könnte.

 

Die Großtadt als Schmelztiegel der Vielfalt menschlichen Daseins und eben auch manchmal menschlicher Abgründe. Dafür braucht man den Blick, die Neugier und auch Phantasie.

 

Diese alles ist in den Bildern von Stefanie Blueaquin zu finden.

 

Schauen sie sich diese Bilder an, denken sie sich die Fassade und Schminke weg und dann sehen sie vielleicht sich selbst in diesen Bildern, ihre versteckten Träume, Wünsche und Laster.

Tun sie es nur für sich. Sagen sie es keinem weiter, aber seien sie sich gewiß: ihr Nebenan, ihr Nachbar hat sie auch diese Träume, Wünsche und sündigen Gedanken.

 

Ein Künstler hilft ihnen ein Stück dabei, weil er sich schon mal auf den Weg gemacht und für sie das Terrain erkundet hat. Dafür erntet er oft Spott und Unverständnis.

 

Ich bekunde hiermit ausdrücklich meine Verbeugung vor solchen Künstlern.

Ich verbeuge mich vor ihrem Mut, ihren Gedanke und ihrer Phantasie und dafür auch: auszusprechen in ihren Bildern, was ich mich oft nicht traue.

 

Dafür sein Stefanie Blueaquin an dieser Stelle bedankt.

 

Ich wünsche ihnen ein paar schöne Augenblicke und vielleicht einen Hauch von Erkenntnis, dass wir alle die gleichen Sehnsüchte und Hoffnungen teilen auf dieser Welt: ein kleines Stückchen vom großen Glück abzubekommen.

 

Egal ob in der Stadt oder auf dem Land.

 

Ein frohes Weihnachtsfest und ein, zwei sündige Gedanken.

 

Michael Pommerening, Dezember 2012

 

SPORT.WETT.KAMPF!

Malerei von Alexandra Weidmann -6.10. bis 2.12.2012-

Heute werden Sie in der Galerie TRAFO.1 drei Arbeiten der Malerin Alexandra Weidmann sehen. Alexandra Weidmann hat sich in dem Zyklus, aus dem wir heute einen kleinen Ausschnitt zeigen, dem Sport gewidmet. Und dies auf eine ganz subtile Art und Weise.

 

Lassen wir den begriff „Wett“ einmal aus dem Dreierbegriffspaar heraus, so ist Sport eben auch Kampf. Kampf um Medaillen, Leistungen, Weiten, Höhen und Sekunden. Obwohl der Begriff Sport aus dem lateinischen disportare – was so viel bedeutet wie „sich zerstreuen“ - abgeleitet wird, so zerstreut sich beim Sport heute meist nur einer und das ist der Zuschauer. Die Kämpfer selber streiten oft bis aufs Messer um den Sieg.

 

Damit etwa eine Hinrichtung im Alten Rom nicht allzu langweilig wurde, ließ man die armen, zum Tode verurteilten Geschöpfe, bis auf´s Messer – heißt bis zum Tod gegeneinander kämpfen. Später wurden daraus Berufskämpfer die Gladiatoren... mit meist sehr geringer Lebenserwartung ...und das schon etwa 260 v.Chr.

 

Auch heute ist Sport mehr als nur Zerstreuung. Geht es auf der einen Seite um Geld, so geht es auf der anderen Seite leider oft um Gewalt. Ob bitterer Ernst oder nur Show, woran erfreuen wir heimlichen Voyeure uns denn sonst, wenn wir etwa Wrestling schauen, Thaiboxen oder Stierkampf, es ist die Sehnsucht nach klaren Verhältnissen – einem Sieger und einem Unterlegenen- und ein wenig auch nach dem Thrill des animalischen Überlebenskampfes.

 

Dabei geht die Unschuld des Sportlers selbst meist verloren, wenn das Geld sie nicht schon ausreichend korrumpiert hat. Und wie bei den Gladiatorenkämpfen ist man in der Masse wie immer hypnotisch fasziniert von der Macht des Kampfes.

 

Beim Stierkampf etwa, dem Boxen oder dem König in deutschen Fankurven- dem Fußball. Schauen sie in das Gesicht eines Hooligans und sie werden erschrecken, wie enthemmt sich diese Menschen unter dem Rausch der Masse, der Macht und des Kampfes geben.

 

Alexandra Weidman nun hat eine Technik entwickelt, Dinge des Alltags, News und kurze Meldungen, oder Fotos etwa aus dem Realen des Tagesgeschehens in die Welt der Kunst zu führen indem sie diese Fotos als Vorlagen benutzt und sie mit ihrer Fantasiewelt zusammen- und so zu einem neuen Ganzen führt.

 

Der Soldat etwa, der auf dem Bild THE WINNER TAKES IT ALL mit dem Gewehr in der einen und einer Kippe in der anderen Hand bei einem am Boden liegenden noch einmal kräftig nachtritt, ist einem Foto aus dem Krieg im Kosovo entlehnt, wo derselbe Soldat auf eine am Boden liegende Frau eintritt.

 

Grausamer Alltag der Kriege, enthemmte Menschen ohne Achtung vor dem Leben, kombiniert mit der Fantasie des Fußballspielens.

 

Hier wird nicht etwa der Sport als gewalttätig verdammt abgetan, sondern besondere – nennen wie sie sportliche Aggressionen- mit dem Zeitgeschehen kombiniert. So zerren diese Bilder an unseren Nerven, wirken verstörend und haben so einen trotz oder gerade deshalb großen humanistischen Anspruch.

 

Kunst soll eben nicht harmonisieren, sondern auch angreifen und bloßstellen, auch wenn das manchmal weh tut.

 

So freue ich mich Ihnen heute diese drei Arbeiten von Alexandra Weidmann vorstellen zu können. Sehen sie sie als Aufforderung, Kunst nicht nur eindimensional zu interpretieren, sondern die Idee dahinter zu sehen.

 

GESICHTER.GESCHICHTEN.

Malerei von Antje Scholz 25.8.-12.9.2012

 

Das Antlitz offenbart die Seele,

Die Sprache der Augen ist seine Quelle,

Die Sprache der Lippen und seiner Umgebung

Für mich ist sie Symbol der Seelenbewegung.

 

Die Welt der Begierde, Instinkte und Triebe

lebt im Munde, in diesem Diebe.

Die Sprache der Nase zeigt mir die Räume,

Dort leben Gerüche und unsere Träume....

 

Und ein ganz besonderes Tier

ist für mich die menschliche Stirn.

In ihr offenbart sich Gehirneshülle

und alle tiefen Gedankengefühle...

 

Und keine Panik und kein Bangen,

wenn wir betrachten unsere Wangen.

Hier leben tiefe Herzenskräfte,

gemüthafte wichtige Lebenssäfte.

 

Und einen ganz besonderen Sinn

Hat selbstverständlich das menschliche Kinn:

Charakter, Zuneigung, Zorn und Kraft

Formt dieser Teil mit eigener Macht.....

Wenn jemand das Licht der Wahrheit erblickt,

Weiß er, dass die Wahrheit des Menschen im Antlitz liegt.

 

Viel kürzer noch bezeichnen meist Jugendliche die neueste Errungenschaft der freiwilligen Fremdkontrolle  als „Gesichtsbuch“ oder auch Facebook.

Das Gesicht ist die erste Begegnung mit einem anderen Menschen.

Und nur wer nicht an P r o s o p a g n o s i e leidet, die (krankhafte) Unfähigkeit zum Erkennen von Gesichtern, der wird sich dem Zauber, der Magie eines Gesichtet nicht entziehen können.

 

Das Gesicht ist der Spiegel der Seele…sagt man.

 

Kein Körperteil steht so im Mittelpunkt der Betrachtung wie das Gesicht. Und keiner weist uns so gnadenlos darauf hin, dass „alles seine Zeit hat“.

 

Als diese Facetten zeugen davon, wie sehr wir von den Gesichtern unserer Mitmenschen fasziniert sind. In welcher Form auch immer, als Portrait, Gemälde, Fotografie oder Karikatur. Meist entscheiden Sekunden gepaart mit dem Geruch über Sympathie, Antipathie oder Gleichgültigkeit einem Anderen gegenüber.

Es gibt die herausragenden Gesichter der Kulturgeschichte die jeder vor Augen hat: die Nofretete, Mona Lisa, Einstein, da Vinci oder Keith Richard von den Rolling Stones. Sie haben das Besondere, das wir nicht mehr vergessen können. Es sind die tiefen oder kleinen Falten des Lebens, die diese Gesichter prägen. Denn zwischen einem Gesicht und einem Antlitz besteht genau dieser scheinbar kleine Unterschied: Die Lebenslinien.

Nur sie machen jedes Individuum einzigartig.

Eines Tages wird uns das Gesicht Türen öffnen….Gesichtserkennung heißt die Zauberformel.

 

Und so haben auch mich beim ersten Betrachten die Bilder von Antje Scholz fasziniert. Sofort und unausweichlich wird man von den Gesichtern ihrer Bilder in den Bann gezogen. Und auch wenn man nur beiläufig hinschaut, wird man von der Magie dieser Bilder ergriffen.

 

Maria, die fast schon zweifelnd was denn da auf sie zukommt in die Ferne- sprich Zukunft schaut. Ein Gesicht, gezeichnet vom Leben, den Erfahrungen, der Liebe, der Suche nach Schutz

Oder Ida, die uns ihr Antlitz ganz offen anbietet, noch etwas naiv, verträumt und in großer Erwartung auf die Geheimnisse des Lebens.

 

Wir sehen in der kleinen Ausstellung drei Arbeiten der Malerin Antje Scholz, die an der Ostsee geboren nun schon seit vielen Jahren im Oderbruch lebt.

Abseits des Trubels und doch mittendrin im Leben.

So erzählen ihre Bilder… Geschichten. Mit jedem Bild verbindet die Malerin eine besondere Geschichte. Welche, das bleibt ihr Geheimnis.

 

Nehmen Sie sich etwas Zeit in diese Gesichter zu schauen. Vielleicht entdecken Sie ja ein kleines Zipfelchen von diesem Geheimnis.

 

Viel Spass bei der Suche !

 

GYOTAKU. Wie ein Fisch im Wasser....

Japanische Grafik von Bruno F. Apitz 14.7.12 bis 24.8.2012

 

Meine sehr verehrter Damen und Herren, liebe Gäste und Mitstreiter.

 

Endlich wächst der jüngste Sproß in der langen Kette der Kunststätten aus seinen Kinderschuhen mit den dazugehörigen –krankheiten heraus. Ich freue mich heute die zweite Ausstellung in der Galerie TRAFO.1 –der kleinsten Galerie Brandenburgs und wahrscheinlich auch der Welt, eröffnen zu können.

 

Ab heute kann man auf engem Raum Arbeiten von Bruno F. Apitz sehen.

 

Bruno F. Apitz ist im Hauptberuf Schauspieler. Er hat in über 70 Filmen gespielt und auf den Bühnen dieses Landes viele Charaktere verkörpert. Dass da noch Zeit bleibt, seinem Hobby zu frönen, ist erstaunlich und auch wieder nicht.

 

Denn was ist Malerei anderes als das Betrachten der Welt mit anderen Augen. Nichts anderes tut ein Schauspieler, nichts anderes ein bildender Künstler auch.

Und trotzdem werden sie sich beim Betrachten der grafischen Arbeiten fragen, ja ist das denn nun ein besonderer Blick oder doch nicht nur Abbild?

 

Heute werden sie Fische betrachten können.

 

Wir haben versucht für diese Fische einen adäquaten Rahmen bzw. Raum zu finden, damit sie sich –post mortem sozusagen- wieder wohl fühlen, wie ein Fisch im Wasser eben. Doch so ganz ist es uns nun doch nicht gelungen, das Wasser macht kurz vor dem Eingang der Galerie halt und der Versuch aus der Galerie ein Aquarium zu machen ist deutlich mißlungen….aber das kann ja in der nächsten Zeit noch anders werden.

 

Die Tiefs Petra, Angelika, Susanne und wie sie alles heißen helfen uns vielleicht dabei.

 

Zurück zu den Bildern.

Bruno F. Apitz hat sich in seinen Arbeiten einer alten japanischen Kunst aus dem 18. Jahrhundert bedient. GYOTAKU heißt diese..wir werden nachher mehr darüber erfahren.

 

Wir sehen Fische in den verschiedenen Farben und Lichtern. Nicht einfach 1:1 abgebildet, sondern farblich verändert, mal goldglänzend, mal feurig rot.

 

Und durch diese Veränderung erscheint der tote Fischkörper noch einmal lebendig, sich fast sehnsüchtig mit fremden Federn geschmückt und zu eitlen Ehren gekommen.

 

So hat Bruno F. Apitz diesen Fischen noch einmal seine Achtung gezollt- Achtung die jedes Lebewesen verdient. Achtung in Form der Erhebung in die Kunstebene.

 

Und das macht die Kunst aus. Nicht bloßes Abbild der Realität ist ihre Aufgabe, sondern die Veränderung, die andere Sicht auf die Dinge des Alltags oder der Phantasie……durch die Augen des Künstlers.

Und also hat er mit seinen Arbeiten auch eine Verbeugung vor der Schönheit abgelegt, die jedes Lebewesen hat, jedes auf seine Art.

 

So gesehen kommen diese Fische, einst mit Zitrone drapiert und die Geschmacksnerven eines Genießers verwöhnend, noch einem zu späten Ehren, posthum sozusagen.

 

Ich wünsche ihnen ausreichend eigene Gedanken beim Betrachten der Arbeiten von Bruno F. Apitz.

Wer eine Erinnerung an diese Ausstellung in Form eines Autogramms mitnehmen möchte, kann für einen kleinen Obolus dort eine Fisch-Kopie erwerben und sie sich von Bruno F. Apitz signieren lassen.

 

 

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© Michael Pommerening KunstRegen2014