Vernissage:  25.2.2017  15 Uhr Regenmantel

Worte zum Tag

 

Weihnachten – das Fest der Träume, der Familie, der prall gefüllten Geschenksäcke und üppig gedeckten Tafeln steht vor der Tür. Zeit auch der Märchen und Geschichten. In unserer heutigen Ausstellung hier im TRAFO.1 in Regenmantel möchten wir einen kleinen Einblick in die Inszenierung „Der gestiefelte Kater“ am Theater Zwickau geben, für die Sabine Pommerening die Bühne und die Kostüme entworfen hat.

 

Doch zuerst zur Geschichte:

Der gestiefelte Kater – oder wenn Betrug sich auszahlt, einmal erzählt aus dem Blickwinkel eines Bankers…oder eines Wirtschaftsbosses:

 

Der gestiefelte Kater zeigt einige Vorteile gegenüber seiner einfachen Base, der Mäusekatze: Er versteht es, seinen Jagdinstinkt mit dem Marketingkonzept des "uptrading" – also einer wirtschaftlichen Neuorientierung - zu verbinden.

Statt Mäusen fängt er für den König die am Markt wesentlich höher bewerteten Rebhühner. Und das mit Arbeitsmittel und Taktiken, die eine enorme Produktivitätserhöhung garantieren.

Aber der Kater in Stiefeln noch zu ganz anderen  Transaktionen in der Lage: Sein Meisterstück sind die von ihm durchgeführten Übernahmeverhandlungen mit dem Besitzer großer Wirtschaftswerte in Form von Wiesen, Wälder und einem Schlosses von einem Zauberer- zugunsten seines Herrn.

Sie werden rasch mit einem "unfriendly takeover" also einer feindlichen Übernahme abgeschlossen. Dann folgt noch eine sehr freundliche "Fusion" –hier als Heirat getarnt zwischen der Königstochter und dem nun von Besitz und äußeren Standeswerten ebenbürtigen Müllerssohn.

Schon hat die Geschichte ihr Ende, der Betrüger als Kater seinen Willen und der vom Vater um sein Erbe gebrachter Müllersohn eine neue Familie in Reichtum und Glanz, schönen Gruss von den Geissens.

 

Märchen haben die Kraft Situationen, die wir rational nicht exakt wiedergeben können oder wollen in Überhöhungen einzupacken und so aus ihrem Märchenschlaf in die heutige Zeit zu holen.

 

So sind Sabines Räume und Figuren dafür ein Sinnbild. Sie zeigen Wesen von einer scheinbar anderen Welt, weil Attribute an ihnen so in das Absurde überhöht wurden, dass man erst nach genauerem Hinsehen Menschen aus unserem Umfeld oder gar uns selbst erkennt. Nun kann man diese menschlichen Eigenschaften und Macken bei anderen scharf angreifen oder liebevoll mit Augenzwinkern sehen. Das kommt ganz auf unseren Blick auf die Realität an.

 

Und der Blick von Sabine auf ihre Welt ist ein liebevoller. Sie liebt die Menschen und also liebt sie auch ihre Figuren und Akteure auf der Bühne….Mit einem kleinen aber liebevollen Stoß schickt sie diese Figuren ins Leben, in unser Leben. Und das tut sie, wie so viele Künstler, weil sie mit ihrer Kunst das Leben und also uns in Bewegung halten will, uns immer wieder zu dem anregen will, was nur uns Menschen als Segnung gegeben ist DAS DENKEN und die PHANTASIE.

 

Kunst bringt uns das Unbekannte, Geheimnisvolle, das Fremde näher. Manchmal hart und unerbittlich, manchmal liebevoll und tröpfchenweise.

Aber Kunst kennt keinen Fremdenhass.

 

In den Märchen am Hofe war es der Narr, der dem König die Wahrheit sagen durfte ohne seinen Kopf zu verlieren. Auch heute gibt es noch Flecken auf dieser Erde, wo jemand für die Wahrheit durchaus seinen Kopf riskiert. In unseren Gefilden gilt das zum Glück nicht mehr. Aber dennoch wird die Wahrheit oft verpackt mit einer Prise Humor, mit einem Stück Zucker, damit der bittere Geschmack sich leichter ertragen lässt.

Lessing hat uns in seiner Ringparabel in „Nathan der Weise“ gelehrt, dass es den einen Glauben nicht gibt. Das Liebe, Freundschaft und Toleranz der einzige Weg zu einem friedvollen Miteinander ist. Und die Demut vor dem Leben. Das alles will und kann Theater erzählen.

 

Am Schluss noch einen andere Parabel des Lebens:

Wenn man einen Frosch in ein Gefäß mit heißem Wasser wirft, dann springt er ganz schnell wieder heraus. Ein paar wenige kleine Verbrühungen hat er sich sicher zugezogen, aber die sind bald verheilt und er lebt fröhlich weiter! Wenn man jedoch einen Frosch in ein Gefäß mit kaltem Wasser steckt und dann anschließend das Wasser ganz langsam erhitzt, bleibt der Frosch darin sitzen…bis er in dem heißen, kochenden Wasser kläglich ums Leben kommt! Und so wie diesem grünen Gesellen, so geht es vielen Menschen: Sie schaffen es nicht, dieses Leben zu verändern, also aus dem kochend heißem Gefäß zu springen.

 

Darum also: Lasst uns bewegen, denken, die Schöpfung achten und das Leben genießen, unser Leben im Transit. Wie heißt es doch in dieser Märcheninszenierung:

„Ohne Blumen, ohne Träume, ohne schöne Purzelbäume, ohne Wurst und ohne Speck hat das Leben keinen Zweck.“     

 

In diesem Sinne wünsche ich allen hier und überall eine harmonische, sinnliche Zeit bis zum nächsten Jahr und noch viel weiter.

 

Michael Pommerening, Regenmantel 12.12.2015

 

Worte auf den Weg.

Heute begegnen uns in den TRAFO Galerien Porträts der ganz besonderen Art. Menschen schauen uns an, fremde Menschen und doch scheinen sie vertraut. Ihre Gesichter, die Blicke, die Mimik alles scheint gar nicht so fremd, schaut man länger in diese menschlichen Landschaften. Hier können wir uns Zeit nehmen, innehalten beim Betrachten, nur eine Sekunden mehr Gelegenheit uns das Fremde etwas näher zu holen.

Denn jedes Gesicht ist einzigartig. So individuell wie der Mensch, der es besitzt. Das Gesicht ist ein Spiegel. Nur wenn wir nicht wegschauen entdecken wir in diesem Spiegel die Welt mit anderen Augen.

Sympathisch oder nicht – darüber entscheidet häufig der erste Eindruck. Weil sich zwischen Stirn und Kinn Eigenschaften, oft das Innere, nach außen spiegeln. Man kann Verbindung von den äußeren Merkmalen eines Gesichts zu den Charaktereigenschaften eines Menschen ziehen. „Ausspähungskunde des Inneren“, nannte das der Philosoph Immanuel Kant.

330 unterschiedliche Merkmale kennzeichnen ein Gesicht. Hinzu kommen noch die 52 Muskeln unter der Haut, die über 10000 unterschiedliche Gesichtsausdrücke ermöglichen, alle feinen Nuancen miteingerechnet.

Gudrun Boiar hat sich bei ihren Entdeckungsreisen in der wilden Welt und den stillen Straßen von Berlin treiben lassen in der Hoffnung, diesen Menschen zu begegnen, die sie schon beim ersten Blick in den Bann ziehen.

Ob auf der Brücke vor dem Alten Museum, ob in Clärchens Ballhaus oder dem Wochenmarkt auf dem Kollwitzplatz. Hier hat sie sie getroffen, die Menschen, die sie nicht mehr losgelassen haben. Und der erste Kontakt, der Blickfang sozusagen war immer ein Gesicht.

Dann hat sie innegehalten und sich ein Bild gemacht von diesem Menschen, hat die Augen geschlossen, hat die Farben gesehen, die Haltung komponiert, ihre Phantasie fliegen lassen. Entstanden sind Bilder von ungemeiner Wärme und Menschlichkeit. Farbenfroh mit dem Quäntchen Sonne für die Seele des Betrachters.

So sind diese Menschen für sie zwar Kunstfiguren geworden, entstanden im unendlichen Kosmos der Phantasie und doch sind aus Unbekannten Bekannte geworden, ohne eine Berührung, ohne ein Wort, ohne Erklärungen. Das vermag nur die Kunst.

Der unbekannte Mensch, dem wir zufällig begegnen, nur einen Wimperschlag lang unbewusst wahrnehmen, dem wir kaum Beachtung schenken, kann durch Kleinigkeiten Objekt unserer Zuwendung werden, wenn wir es nur wollen.

Eine Geste, ein Duft, ein Augenaufschlag findet Zugang in unser Bewusstsein, setzt sich fest, wird Teil unserer Erinnerung. Wenn all diese kleinen Dinge und noch viel unerforschtes mehr sich mit unserer Seele, den Synapsen trifft, dann kann das Wunder geschehen, das da Liebe heißt. Fehlt nur eine dieser Ingredienzien bleibt doch aber wenigstens die Sympathie. Und die Fremdheit verblasst, ist nach und nach überwunden.

Warum ist das so? Das weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass jede Persönlichkeit einmalig ist. Wir lassen uns nicht in Korsagen der Austauschbarkeit zwängen, auch nicht in die konsumidiotisierte Schafsherde, auch nicht in den Schwarm der Lemminge der dem ewigen Lügenglamour folgt und den oft hohlen Sprüchen der Politik und scheinbar allwissender Medien. Nur wenn wir um diese fatalen Segnungen einen großen Bogen machen, können wir behalten was uns so einmalig macht.

Diese Einmaligkeit ist es, die Künstlerinnen wie Gudrun Boiar fasziniert, die sie taumeln lässt bei ihren bilderhungrigen Streifzügen durch den Alltag, diesen unverhofften Begegnungen, die sie an die Staffelei treibt, um Kunstwerke von dieser wunderschönen, farbenfrohen Wärme und Herzlichkeit zu schaffen. Weil sie in ihre Bilder diesen Traum von Liebe und Phantasie legt, weil sie in ihren Bildern lebt und also den Weg der Einmaligkeit geht.

Es ist dieses Geheimnis von Kunst, was Bilder erschafft, die sich als Gast gebeten, ganz tief einnisten in unser Bewusstsein.

Weil am Ende aller tiefen Erkenntnis über das Leben wir Menschen doch immer von dieser Einmaligkeit träumen: Den Traum nicht umsonst gelebt zu haben, den Traum von Liebe und Wärme bei der steinigen Wanderung durch die Landschaft die da Leben heißt.

Und wenn der Schwarm der Lemmingen einmal an ihnen wohlduftend und glänzend vorbeizieht……biegen sie ab, nehmen sie einfach die  nächste Ausfahrt…Vielleicht nach Regenmantel zur kleinsten Galerie der Welt.

 

 

Michael Pommerening

Regenmantel, Oktober 2015

Worte auf den Weg.

 

Heute eröffnen wir eine Ausstellung mit Arbeiten des Berliner Künstlers Matthias Friedrich Muecke, hier in Dolgelin und dort in Regenmantel, auf jeden Fall in den kleinsten Galerien der Welt.

 

Die Arbeiten, das sind Zeichnungen und Collagen mit dem Titel „Surabaya Jonny“ -einem Song von Brecht/Weil aus dem Theaterstück Happy End zu sehen in Dolgelin und Arbeiten mit dem Titel „Fucking Oranienburger Straße- I love you“ in Regenmantel.

 

Surabaya in Ostjava und die Oranienburger in Berlin?

Was haben die beiden Themen miteinander zu tun? Beide Themen haben eines gemein: Einen Künstler, die Sehnsucht, das Geld und Liebe.

 

Du wolltest nicht Liebe, Johnny

Du wolltest Geld, Johnny

Ich aber sah, Johnny, nur auf deinen Mund

Du verlangtest alles, Johnny

Ich gab dir mehr, Johnny….heißt es in dem Brecht Song.

 

Das mag auch Matthias Friedrich Muecke durch den Kopf gegangen sein, als er -lange nach der Wunderwende- durch die Straße seiner Kindheit gegangen ist und in den benzingetränkten Pfützen dieser Straße - der Oranienburger Straße- das verschwommene Bild der glanzvollen Synagoge gesehen hat.

 

Matthias Friedrich Muecke liebt seine Oranienburger Straße, die geile Meile ….obwohl sie an Herz verloren hat. Verloren an den Glanz der hippen Kneipen zwischen Sushi, T-Bone Steak und teuren Whiskeys, verloren an die Spekulanten, die ohne Herz verscherbelt haben, was einst eine Perle war am Monbijou Schloss.

 

Früher, ganz früher in den Zeiten von Zille&Co. haben sie hier gearbeitet die Kohlehändler, Destillenwirte, die jüdischen Händler, haben gebetet in der Synagoge und gelacht auf der Straße. Die geile Meile hatte Typen, die sich sonst nicht so schnell finden lassen, abseits von bartkonformen Hippster mit Latte in der Hand und Koks in der Nase.

 

Und hier waren sie zuhause die Schwalben vom Bordstein, die nur eine Ware zu verkaufen hatten: Ihren Körper, an die, die Liebe suchten.

Handarbeit fürn Fuffi, klassisches Poolbillard fürn Hunni.

Gestern und heute ziehen sie in der Straße, die so viele Geschichten kennt, ihre Bahnen wenn der Mond auf geht.

 

Matthias Friedrich Mücke folgt in seinen Arbeiten dieser Spur der Pflastersteine, der Spur der Menschen, die aus einer Straße ein Panoptikum des Lebens machten und machen. Zwischen Polizist, Zuhälter, modischen Lagerfeldern und japanischen Knipstouristen brummt hier das Leben bis die Sonne aufgeht.

 

Da geht es Ihnen wie der 16jährigen in Brechts Song, die auf den Jonny hereinfällt - auf den schönen Schein und den trügerischen Glanz in seinen Augen, wo doch ihre Sehnsucht nach Liebe so groß ist und auch die Sehnsucht auf einen Hafen im großen Meer der Hoffnungen und wieder endet im billigen Sixpencebett der Kaschemmen.

 

Aber Jonny ist kein Seemann mehr, ist Banker, PR Junkie, Immobilienhai im gefräßigen Meer des Big Business und der „Jeder- ist- sich- selbst- der- Nächste“ Lebensphilosophie. Und nur die Haifischflossen an seinem 60er Jahre Caddy erinnern heute noch an diesen Traum von Liebe und einer gerechteren Welt.

 

Matthias Mücke hat ihnen zugehört, hat die Symphonie dieser großen Stadt belauscht. Herausgekommen sind Figuren, Nachtschattengewächse, allzu menschliche Menschen mit hinreißend skurrilen Strichen auf das Blatt gebracht und mit schrillen Farben zum Leben erweckt.

 

Matthias liebt diese Figuren und hasst sie gleichsam, eine Hassliebe wie die zur Fucking Oranienburger Straße, wie die zum Schlitzohr Jonny aus Birma.

 

Und als habe Brecht damals von diesen Sehnsüchten der Menschen gewusst und der unendlichen Fehlbarkeit ihrer Gier nach Liebe als er singen ließ:

 

Surabaya-Johnny, mein Gott, ich liebe dich so.

Surabaya-Johnny, warum bin ich nicht froh?

Du hast kein Herz, Johnny, aber ich liebe dich so.

 

Matthias Friedrich Mücke hat diesen Worten von Brecht seine Linie, seinen Strich, seine Farbe gegeben und Figuren geschaffen, wie sie nur die Kunst auf die Welt bringen kann.

Und sie werden weiter taumeln durch die Welten und Zeiten, wie die Menschen in der Oranienburger Straße und auf allen Straße und Wegen in Stadt und Land mit ihrem unvermeidlichen Überfluss von Lust und Gier und Hoffnung….und dem Recht auf Liebe bis zum Horizont des Lebens und ein Stück darüber hinaus.

 

Folgen sie diesen Wegen und denen von Matthias Friedrich Mücke, hier in Regenmantel und eigentlich überall hin.

 

Michael Pommerening, Regenmantel im Juni

 

Lars Wiedemann - Fotografie   28.3. - 2.5. 2015

 

Worte zu Fotos. Lars Wiedemann

 

Ländliche Transformationen – so der Titel mit Fotoarbeiten des Berliner Fotografen Lars Wiedemann,die heute hier und in Dolgelin gezeigt werden.

 

Und als kennen wir uns schon seit Jahren, zeigen dieses Fotoarbeiten von Lars Wiedemann Trafostationen, bundesweit, in allen Regionen und Landschaften mit der Liebe zum Detail fokussiert.

 

Vor über 100 Jahren von klugen Menschen errichtet, um Strom in jeden Haushalt zu liefern, in die verlassensten Winkel dieses Landes, haben uns die Monolithen technischer Architektur ein Leben lang begleitet. Unbewusst wahrgenommen, taten sie ihre Pflicht, hielten -fast immer- Blitz und Donner stand, trugen dazu bei, dass uns Licht wurde, der Herd uns wärmte und Bild und Ton in unseren Wohnstuben uns an wichtigem und banalem teilnehmen lies.

 

Fast alle diese Bauwerke neuerer Industriearchitektur haben ihre kleinen besonderen Details. Noch war der Normierungswahn nicht auf seinem Höhepunkt angelangt. Noch erfanden die Erbauer kleine Fenster, geschwungene Dächer, Simse und Stürze, um jedem dieser Trafostationen sein besonderes Gesicht zu geben.

 

Nun ist die Zeit über diese gemauerten Zeugen aus vergangenen Tagen hinweggezogen. Sie werden nicht mehr gebraucht, sie müssen kleinen grauen Kästen weichen, die diese Dienste besser tun.

 

Was bleibt, sind Erinnerungen an vergangene Tage. Für die Skatrunde, die leicht angesäuselt beim Heimweg durch Feld Flur ihren Trafoturm bei Dämmerung als Orientierungspunkt nahm, für das Liebespaar, das sich im Schatten des Stromtempels seinen ersten Kuss gab, oder den Busfahrer, der an seiner Endstation um diesen Turm seine Schleife fuhr.

 

Mit dem Abriss dieser Türme verblassen auch diese Erinnerungen.

 

Aber Erinnerungen müssen wir bewahren, sie sind Hoffnung. Und Hoffnung ist ein Menschenrecht. Nimmt man den Menschen die Hoffnung, raubt man ihnen das Recht menschlich zu leben. Die Erinnerungen zu bewahren, heißt auch ein kleines Stück Hoffnung zu bewahren. Hoffnung darauf, dass die Welt nicht zu normiert wird, Hoffnung darauf, dass Menschen ihre Kreativität und ihr Handwerk nicht verlieren, Hoffnung auch darauf, dass der erste Kuss für immer unvergessen bleibt.

 

Das treibt uns als Verein an, diese Trafotürme zu erhalten, den Abrissbagger zu bremsen, neue Ideen in diese Türme zu bringen. Auch Trafo 3 in Reitwein wird bleiben und eine neue Bestimmung als Galerie finden..und Kunst dort zeigen, wo sie niemand vermutet. Denn Kunst ist auch Transformation, ist Umwandlung von Ideen, bringt das Licht der Erkenntnis in unsere Köpfe….meistens jedenfalls.

 

Das hat sicherlich auch Lars Wiedemann bewegt, durch die Lande zu reisen und diese Zeugen der allmählich verwischten Erinnerungen noch einmal ins Bild zu setzen. Er hat den Blick für uns gewagt, den Blick in die Vergangenheit, den Blick auf die Erinnerung und damit auch Hoffnung.

 

Gerade in den letzten Tagen muss uns wieder klar geworden sein, wie wichtig das Prinzip Hoffnung für uns Menschen ist. Und wie schmerzhaft es sein kann, zu sehen, wie diese Hoffnungen keine Erfüllung finden.

Aber das Andenken an Gewesenes, an das Schaffen der Menschen, an die Spuren, die Menschen hinterlassen, an die Liebe, dieses An-Denken gibt uns immer wieder Hoffnung.

 

In Gedenken an die Opfer des Flugzeugabsturzes. In Demut vor dem Leben. In Erinnerung an unser flüchtiges Sein.

 

Eva Strittmatter:

Die guten Dinge des Lebens sind alle kostenlos:

die Luft, das Wasser, die Liebe.

Wie machen wir das bloß, das Leben für teuer zu halten,

wenn die Hauptsachen kostenlos sind?

Das kommt vom frühen Erkalten.

Wir genossen nur damals als Kind die Luft nach ihrem Werte

und Wasser als Lebensgewinn, und Liebe, die unbegehrte,

nahmen wir herzleicht hin.

Nur selten noch atmen wir richtig und atmen die Zeit mit ein,

wir leben eilig und wichtig und trinken statt Wasser Wein.

Und aus der Liebe machen wir eine Pflicht und Last.

 

Und das Leben kommt dem zu teuer, der es zu billig auffasst.

 

Carpe diem. Nutzen wir den Tag, jeden Tag.

Vielen Dank.

 

Michael Pommerening    Regenmantel, 28.3.2015

 

 

Bruno F. Apitz - Malerei   Ausstellung vom 14.2. - 28.3. 15

Worte 14-2-15

 

Ob es der griechische Philosoph Heraklit war oder Konfuzius, beiden wird der Ausspruch zugesprochen, der in zwei Worte gefasst ausdrückt, was uns bis heute als Lebensprinzip begleitet:  Panta Rhei – Alles fließt.

 

Wir Menschen kommen aus dem Meer und haben ein Menschenleben Zeit zur Quelle der Erkenntnis unseres Seins zu gelangen. Das macht Arbeit, kostet Kraft und oft werden wir wieder zurückgetrieben. Aber wenn wir diesen Weg gegen den Strom gegangen sind und das Ziel – die Quelle erreicht haben, werden wir Weise sein und endlich Gelassenheit in uns finden. Und dann endlich können wir uns wieder treiben lassen, zurück ins Meer der Liebe, Vergebung und Unendlichkeit.

 

Auch Goethe hat sich seine Gedanken dazu gemacht:

Gleich mit jedem Regengusse

Ändert sich dein holdes Tal

Ach, und in demselben Flusse

Schwimmst du nicht zum zweiten Mal.

 

Aber es ist auch so im Leben: Nicht alle wollen zur Quelle, nicht jeder will gegen den Strom schwimmen. Manch einer will der Herde folgen, ins offene weite Meer. Aber der hat beim großen Herdenschwimmer immer das Hinterteil des Vordermanns im Auge und so ist die Verlockung groß, dort auch mal schnell hineinzukriechen. Für so manchen ängstliche Gesellen ist das auch eine Überlebensstrategie und eine Möglichkeit der Fortbewegung durch das Leben.

Prinzip Lemming nennt man das, glaub ich.

 

Gegen den Strom zu schwimmen erzeugt Reibung und Reibung erzeugt Wärme und diese menschliche Wärme ist es, die wir brauchen...Am besten jeden Tag, denn diese Wärme schütz uns

auf dem Weg zur Quelle unseres Seins, sie gibt uns Kraft diesen schweren Weg zu gehen.

 

Flussabwärts. Gegen den Strom ist die Ausstellung betitelt, die ich heute hier eröffnen darf. Wir sehen Arbeiten des Malers und Schauspielers ..oder umgekehrt?... na egal, Arbeiten jedenfalls von Bruno F. Apitz. Der Grundtenor dieser Arbeiten liegt in der Stille, in der Ruhe und der Kraft der Natur. Ingredienzien aus denen Bruno F. Apitz schöpft, jeden Tag, jede Sekunde. Und aus den Bildern, den Farben, dem Nichterkennbaren und doch Spürbaren spricht schon diese Weisheit und Gelassenheit, die uns ergreift, wenn wir gegen den Strom unterwegs auf dem Weg zur Quelle sind.

 

Und auch spürt man die Wärme, die menschliche Fähigkeit Natur und Wesen als ewige Einheit zu akzeptieren. Die Schönheit in den täglichen Dingen zu sehen, einen Weg, einen Zugang zu finden über die Kunst zu diesen unwiederbringlichen Momenten der Einsamkeit und Stille.

 

Ob die nahe Elbe an seinem Hauptarbeitsort, ich sage nur "Notruf Hafenkante", oder die Sehnsucht aller Südgeborenen nach dem Meer, oder sein Haus am See nahe Berlin – die Liebe zu Fluss und See und Meer spürt man in jedem Bild von Bruno F. Apitz.

 

Mensch und Natur haben sich in seinen Bildern gefunden, sind ein Paar geworden, nicht immer schön aber immer einzigartig.

Und in Zeiten, wo man Lessings Ringparabel eher zwei- als nur einmal lesen sollte, der Streit der Religionen die Liebe vergiftet, in diesen Zeiten erinnern uns Bilder, wie sie Bruno F. Apitz schafft daran, wie einzigartig und unwiederholbar unser Weg zur Quelle der Erkenntnis ist und auch der zurück ins Meer der Vergänglichkeit.

 

Individualität eines jeden Einzelnen, seine nur ihm eigene Fantasie und Vielfalt zu fördern und ihn bei diesem Weg zu begleiten und Mut zu machen eigene Wege zu gehen neben der normierten Spur einer Konsum-Herde, auch das ist eine Intention der Kunst.

 

Hier steht der Mensch im Zentrum. Einsam oft, verlassen oder selbstgewählt, schaut er dem ewigen Fluss der Dinge hinterher, in der Hoffnung einmal auch an deren Quelle zu gelangen oder mit seinen Gedanken hinaus ins offene Meer der Träume.

 

Diesen Weg, der steinig sein kann und spiegelglatt, der bergauf geht und wieder ins Tal, der uns den Schweiß in die Augen und den Wind ins Gesicht trägt, dieser Weg hat kein Ende, dieser Weg beginnt täglich neu und erst wenn der Sensenmann vor der Tür steht, werden wir wissen, ob wir die Quelle, das Licht der Erkenntnis erreicht haben, oder auf halbem Weg umgekehrt sind.

 

Also folgen sie Bruno F. Apitz ein kleines Stück auf seinem Weg zur Quelle, heraus aus der Eintönigkeit der quietschbunten Welt des Konsums, hinein in die Welt der Fantasie und Träume bis zum Horizont und auch ein Stückchen weiter… wenn Sie wollen.

 

(Michael Pommerening, Regenmantel 14-2-2015)

 

(Märkische Oderzeitung vom 16.2.2015)

 

Pferde-Besuch zur Vernissage

Falkenhagen (ir) Die Ausstellungssaison 2015 in den Galerien TRAFO.1 im Falkenhagener Ortsteil Regenmantel und TRAFO.2 in Dolgelin ist eröffnet. Am Sonnabend Nachmittag begrüßte Michael Pommerening, der Vorsitzende des Vereins KunstRegen, die Teilnehmer der Vernissage zur Ausstellung "Flussabwärts. Gegen den Strom" in Regenmantel. Sie zeigt in beiden Galerien Bilder des Schauspielers und Malers Bruno F. Apitz.

Musik und Malerei: Nachwuchsmusikerin Luise Stein umrahmte mit ihrem Gitarrenspiel die Eröffnung der Ausstellung von Bruno F. Apitz in der Galerie TRAFO.1 in Regenmantel.  

JoHANN MÜLLER

Der Künstler, der Fernsehzuschauern vor allem als Hauptkommissar Hans Moor aus der ZDF-Serie "Notruf Hafenkante" ein Begriff sein könnte, liebt das Wasser. Es spielt die Hauptrolle in seinen Bildern.

In ihnen finden sich Mensch und Natur, wie auf dem Bild im Zentrum von TRAFO.1: Ein Mann fährt mit seinem Boot hinaus aufs Meer, über dem sich unheilvoll ein Sturm zusammenbraut. Dennoch strahlt das Bild eine tiefe Ruhe aus. Diese Ruhe und Gelassenheit ergreife jene, die im Leben gegen den Strom und damit auf dem Weg zur Quelle des Wissens unterwegs seien, sagte Michael Pommerening in seiner Einführung in die kleine Schau.

Die Verlockung, in der Herde zu schwimmen, sei zwar groß. Doch sie berge die Gefahr, ins Hinterteil des Vordermanns, das man vor Augen hat, hinein zu geraten, so Pommerening weiter. Bruno F. Apitz ist davon weit entfernt. Er schöpft Kraft aus der Natur - und aus dem Malen.

Letzters gebe ihm Gelegenheit, sich zurück zu ziehen, sein's zu machen, "ohne dass mir jemand vorschreibt, was ich zu tun habe, wie beim Filmdreh", erklärte der Schauspieler nach der Eröffnung der Ausstellung in Regenmantel.

Es ist bereits seine zweite in der kleinsten Galerie der Welt. Bruno F. Apitz, der an einem See bei Berlin - wo sonst? - zu Hause ist, unterstützt die Idee der Galerien auf dem Lande. Wo, wie am Sonnabend geschehen, Pferde mit ihren Reitern bei der Vernissage vorbei kommen. Und wo keine geschwollenen Reden gehalten werden, sondern die Natur zum Ausstellungskonzept gehört.

Deshalb auch unterstützt der Schauspieler und Maler Michael Pommerenings Ziel der Drei-Einigkeit der Galerien. Noch in diesem Jahr soll die dritte Galerie, im ausgedienten alten TRAFO-Haus in Reitwein eröffnet werden, kündigte der KunstRegen-Vereinschef am Sonnabend an.

Das Herrichten der Galerie sei allerdings nicht zum Nulltarif zu haben. Deshalb bittet der Initiator um finanzielle Unterstützung für das Projekt. Und zwar via Internet (www.startnext.de/kunstregen). Wenn die dritte Mini-Galerie am Start ist, soll es Radtouren zur Ausstellungseröffnung an allen drei Standorten geben, kündigte Michael Pommerening an.

Er hatte am Sonnabend mit der 14-jährigen Luise Stein aus Schöneiche eine Nachwuchsmusikerin gewonnen, deren bravouröses Gitarrespiel wunderbar zu Bruno F. Apitz' Bildern passte.

In diesem Jahr sind sechs Ausstellungen in den TRAFO-Galerien geplant. Eröffnet werden sie, das ist neu, sonnabends.

 

Noch bis 13.2. 2015  Sabine Pommerening *Bühne/Kostüm

Gedanken zum Tag

 

Schauen wir uns alte Familienfotos an, von Feierlichkeiten, auf denen mehrere Generationen zusammen kommen. Dort wird getanzt, gegessen und getrunken und je fortgeschrittener die Stunde, je mehr machen Geschichten aus einer längst vergangenen Zeit die Runde. Geschichten, die wenn man sie nicht bewahrt, im Sande der Unendlichkeit verlaufen würden, vom Vergessen verschluckt, vom Verdrängen verdunkelt. Aber wir brauchen diese Geschichten, weil sie ein Stück von uns sind, weil sie vom Leben erzählen und vom Sterben, vom Gut und Böse, von Mensch und Magie.

 

Und so Vielschichtig das Verhältnis der Menschen zueinander im Alltag ist, ebenso viele Charaktere, Stimmungen und Ansichten treffen bei so solchen Festen aufeinander.

 

Die Konfuzius zugeschriebene Erkenntnis, dass oft der Weg das Ziel ist, zeigt sich in vielen unserer eigenen Lebenswege. Das heißt doch eigentlich nur: Mensch denk nicht ständig an das Ergebnis, daran, was raus kommt am Ende. Die Botschaft ist vielleicht nur: Mach dich auf den Weg, hast  du erst einmal die Richtung erkannt.

 

Ergebnisorientiertes Denken ist das Schlagwort einer nach Werten ausgerichteten Gesellschaft. Auf dem Weg zu diesem Ergebnis wird dabei oft vergessen, dass wir viel am Wegesrand unbeachtet zurücklassen: die schönen Dinge des Lebens, die Freundschaft, die Liebe und allzu oft auch die Menschen, die uns nahe sind. Das kann nicht der Sinn des Lebens sein.

 

Heute, im Zeitalter der Globalisierung, des Turbokapitalismus und des Internets, welches unser Gefühl von Zeitknappheit, Zersplitterung und Ausgebranntsein beschleunigt, wächst nicht nur das Bedürfnis nach Entschleunigung sondern auch die Einsicht, dass Fortschritt von Beschleunigung entkoppelt werden sollte: Um forwärts zu kommen, müssen wir entschleunigen!

Innehalten, nachdenken, Gelassenheit – das sind die Gegenpole zur Bewegung, ohne die diese Bewegung sonst im Hamsterrad endet. Keine Bewegung, ohne Ruhe. Und nach der Besinnung wieder Bewegung.

 

Das ist der Circle of Life.

Und dabei kommt dem Märchen, an welches wir uns leider oft nur zur Weihnachtszeit erinnern, eine ganz besondere Rolle zu. Märchen sind –oft nur  in Gut und Böse eingeteilt- die in Geschichten geronnene Lebenserfahrung der Menschen, die ewige Hoffnung auf ein Happy End, weil nur die schönen Erinnerungen bleiben.

Die Arbeiten für das Theater von Sabine Pommerening zeigen einen kleinen Ausschnitt aus Bühnen- und Kostümentwürfen für die Inszenierung „Schneewittchen und die zwei Zwerge“ am Theater Rudolstadt.

 

Sabine liebt ihre Figuren als wären es ihre Kinder. Sie legt diese Liebe in ihre Arbeit, durchdringt selbst die finstersten Charaktere und gibt ihnen die Chance die Herzen der Zuschauer zu bewegen.

Theater ist die Kunst Geschichten zu erzählen, wie sie so vielleicht nie passiert sind, aber täglich Realität werden können.

Theater stellt bloß, überhöht, provoziert, hat das Lachen und das Weinen, das Salz des Lebens eben auf seiner Seite.

 

Jeder, der in diese Welt der Figuren, Phantasien und Bilder eintaucht, wird erkennen, dass das Theater lebt, schon mehr als 2500 Jahre und es weiter lebt, wenn es nur immer wieder von diesem Leben, der Liebe und Leidenschaft, dem Werden und Vergehen und auch den Träumen der großen und kleinen Helden erzählt. Und so sind die Erinnerungen- auch unseres Lebens- meist an die guten Helden geknüpft.

 

Lassen wir es so und nehmen wir diese Ausstellung als Möglichkeit uns dieser guten Geschichten zu erinnern und derer, die uns auf diesem Weg begegnet sind und begleitet haben. Irgendwann endet dieser unser Lebensweg in der Unendlichkeit der Sterne und wir verlieren uns aus den Augen. In den Gedanken derer die bleiben aber leben wir weiter. Sorgen wir dafür, dass unsere Geschichten ein Happy End haben-nicht nur im Theater.

Eine schöne Weihnachtszeit und gute Gedanken möchte ich uns wünschen.

 

Michael Pommerening, im Dezember 2014

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