Worte zum Tag.

Er macht aus leeren Straßen bunte Alleen, aus unscheinbaren Häusern glanzvolle Villen, aus ollen Kaschemmen stilvolle Restaurants und aus leeren Zimmern prunkvolle Apartments- die Rede ist vom Szenenbildner beim Film und TV. Die Rede ist somit auch von Matthias Friedrich Mücke, dessen Arbeiten wir heute in den TRAFO Galerien die Freude haben zu zeigen.

Und wenn wir diese Arbeiten dann geschaut haben, haben wir einen klitzekleinen Einblick in die Arbeit eines Mannes bekommen, der seine Liebe zum Buch, zum Papier, zu den scheinbar unscheinbaren Geschichten die das Leben täglich aufs neue schreibt, zu  seiner Passion gemacht hat.

 

Geschichten sind es – diese tausend kleinen menschlichen Abenteuer, die täglich unsere Sehnsucht, unsere Liebe unser Werden und Vergehen- beschreiben, die in ihrer Summe zusammengenommen dann irgendwann Geschichte werden.

Man muss sie nur hören wollen, man muss sie ernst nehmen um Spaß am Leben zu haben. Manche Geschichten erzählen sich von selbst, manchen muss man mit etwas Übertreibung auf die Sprünge helfen und manche müssen aus dem Dunkel des Vergessens wieder ans Licht geholt werden.

 

Matthias Friedrich Mücke hat einige, viele von diesen alltäglichen Abenteuern mit hinreißend skurrilen Strichen auf das Blatt gebracht und mit schrillen Farben zum Leben erweckt.

Geschichten, die wenn man sie nicht bewahrt, im Sande der Unendlichkeit verlaufen würden, vom Vergessen verschluckt, vom Verdrängen verdunkelt. Aber wir brauchen diese Geschichten, weil sie ein Stück von uns sind, weil sie vom Leben erzählen und vom Sterben, vom Gut und Böse, von Mensch und Magie.

 

Die Kunst versucht den Dingen und Lebewesen auf der Grund zu gehen, sie zwar mit Phantasie und Utopien zu schmücken, aber nur, damit wir sehen und lernen, dass nichts so ist wie es scheint. Wer in der Kunst die Wirklichkeit sucht, muss zweimal hinsehen, muss unter die Oberfläche des scheinbar so Wirren gehen.

 

Heute, im Zeitalter der Globalisierung, des Turbokapitalismus und des Internets, welches unser Gefühl von Zeitknappheit, Zersplitterung und Ausgebranntsein beschleunigt, wächst nicht nur das Bedürfnis nach Entschleunigung sondern auch das nach den ganz einfachen Geschichten des Alltags, der Überschaubarkeit des Wirrwarrs unserer Gedanke und des Chaos unserer Gefühle. Die Geschichten, wie sie uns Matthias Mücke in seinen Arbeiten komprimiert zum Anschauen zeigt, wollen die Erinnerungen dem Vergessen entreißen.

 

Diese Erinnerungen müssen wir bewahren, sie sind ein Stück Hoffnung. Und Hoffnung ist ein Menschenrecht. Nimmt man den Menschen die Hoffnung, raubt man ihnen das Recht menschlich zu leben. Die Erinnerungen zu bewahren, heißt auch ein kleines Stück Hoffnung zu bewahren. Hoffnung darauf, dass die Welt nicht zu normiert wird, Hoffnung darauf, dass Menschen ihre Kreativität und ihr Handwerk nicht verlieren, Hoffnung auch darauf, dass der erste Kuss für immer unvergessen bleibt. Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

 

Matthias Friedrich Mücke geht weit zurück in seinen Erinnerungen, bis in die Kindheit. Die Zeit, als es kaum Normen gab für ein Leben zwischen Buddelkasten und Geburtstagstorte. Die Zeit als man das Leben noch mit Phantasie und völlig unbekümmert hinnahm, nur ab und an von einigen KRegeln der Eltern liebevoll gelenkt.

 

Nur Kinder wissen, wie sie die Welt und alles Leben auf ihr entdeckt haben, wie sie in einem Stück Holz böse Geister, einen Spielkameraden oder einen süßen Kuchen phantasiert haben. Vielleicht sollten sie uns, die wir heute denken erkannt zu haben, was die Welt im Inneren zusammenhält, ihre Geschichten von damals erzählen. Matthias Mücke macht das. Er wird seine Geschichten und Erinnerungen von damals in einem Buch bewahren, welches er gerade schreibt und malt. Einen kleinen Teil davon zeigt er uns schon heute, im TRAFO 2 in Dolgelin zu sehen.

 

Lassen sie uns heute zum 5. Geburtstag des Galerieprojekt TRAFO ein Glas darauf trinken, dass Kunst das tut: Geschichten zu erzählen, Erinnerung zu bewahren, Phantasie zu leben.

Hier an ungewöhnlichen Orten, hier wo sie niemand vermutet soll Kunst auch weiterhin Freude bringen, provozieren, sich einmischen. Für die gute Sache des Menschseins, für die Liebe und gegen das Vergessen.

 

In diesem Sinne vielen Dank allen Freunden des Trafos und vor allem allen Künstlern, die uns in bisher 34 Ausstellungen ihre Welt gezeigt haben.

 

Kommt an den Tisch unter Pflaumenbäumen  der Hammel ist gar überm Lauch

Paprika soll uns im Halse brennen  der reife Kartoffelschnaps auch

Lachen wollen wir wieder wie damals   bis morgens der Nachtvogel schreit

Wieder gute Geschichten erzählen  von damals und von dieser Zeit. (F.J.Degenhardt)

 

(Michael Pommerening, Regenmantel im Juli 2017)

WORTE.

 

Heute zeigen wir in den drei TRAFO Galerien Arbeiten von drei Frauen, die an unterschiedlichen Fronten für das Gelingen einer Kunstform kämpfen, die fast so alt ist wie die Menschheit.  Die Rede ist vom Theater.

 

So wie jedes Theaterstück, jeder poetische Text, Zeit und Geduld braucht, um in sein Inneres, seinen Kern vorzudringen, so geduldig und beharrlich-einfühlsam  sind auch diese drei Künstlerinnen und haben dabei die Poesie und die Kraft des Theaters für sich entdeckt.

 

Sie haben erkannt, dass Theater nichts Starres ist, sondern sich immer die Frage gefallen lassen muss: Warum spiele ich dieses Stück heute, hier und jetzt? 

Und haben sich dabei immer wieder selbst infrage stellt.

 

Und Fragen stellt der dramatische Text ausreichend, von Aischylos über Shakespeare bis Müller immer die gleichen von Liebe und Macht, Leben und Tod. Die Figuren dieses ältesten Spiels aller Zeiten taumeln durch Raum und Zeit und suchen dabei nach Antworten für das Sein in unserem Universum.

 

Theater erzählt Geschichten. Die von den Guten und die von den Bösen, die von Liebe und die von Hass, vom Clown vom Krieger, und das alles miteinander zu tun hat.

Theater bewegt deshalb die Menschen, weil es ihnen den Spiegel zeigt. Manchmal zur Erbauung, manchmal zum Staunen, manchmal aber auch zum Schrecken des Betrachters.

 

Und manchmal lässt Theater uns auch fassungslos zurück, hat kaum Antworten, dabei umso mehr Fragen.

Theater ist die Kunst Geschichten zu erzählen, wie sie so vielleicht nie passiert sind, aber täglich Realität werden können.

 

Theater stellt bloß, überhöht, provoziert, hat das Lachen und das Weinen, das Salz des Lebens eben auf seiner Seite.

 

Zu den den vier Grundfesten des Theaters gehören die Darsteller, die Zuschauer, der Raum und die Dramaturgie, also der Spielinhalt. In diese Wechselbeziehungen greifen je nach der Art der künstlerischen Akzentuierung einer Aufführung auch der Einsatz von Licht, die Tontechnik, die Maske, die Kostüme, das Bühnenbild und die Bühnenarchitektur mit ein.

 

Und so wird aus einem nackten Text ein Abend der Phantasie.

 

Dass diese Phantasie Gestalt erhält dafür sorgen Künstler wie Karla Achtelik, Susanne Richter und Sabine Pommerening, die uns heute einen kleinen Einblick gewähren in  i h r  Universum der Phantasie.

Das Theater ist ein Teil der Kunst und deshalb frei in seinem Grundcharakter.

 

Jeder, der in diese Welt der Figuren, Phantasien und Bilder eintaucht, wird erkennen, dass das Theater lebt, schon mehr als 2500 Jahre und es weiter leben wird, wenn es nur immer wieder von diesem Leben, der Liebe und Leidenschaft, dem Werden und Vergehen und auch den Träumen der großen und kleinen Helden erzählt.

Trotzdem wahrt das Theater Distanz. Es gibt keine 3D-Effekte und Dolby-Surround-Systeme, die den Anschein einer falschen Wirklichkeit erzeugen. Die Kulissen sind deutlich als solche erkennbar, das Pappmaché will auch gar nichts anderes vortäuschen.

 

Die Sprache unterscheidet sich meist deutlich von der normalen Alltagssprache und ist eine eigene Kunstform innerhalb des Theaterspiels.

 

Emotionen werden oft sehr stark übertrieben dargestellt, die Handlungen erheben keinen Anspruch auf Realismus. Da könne man sich für den trotz der Subventionen meist happigen Preis einer Theaterkarte doch lieber gleich eine ganze Serie auf Blu-ray kaufen, die einen viel längeren Sehgenuss verspricht…mögen einige da sagen.

 

Und doch wird sich das Theater weiterhin behaupten. Viele Menschen schätzen an dieser Kunstform gerade das, was sie von den modernen Medien unterscheidet. Sie ist ehrlich, sie täuscht nicht eine falsche Wirklichkeit vor. Aber sie entführt in andere Denk- und Gefühlswelten, gibt durch ihre Andersartigkeit Denkanstöße und kann Sichtweisen aufzeigen, die im normalen Alltag untergehen würden.

 

Theater kann man übersehen, kann man negieren und totunterfinanzieren. Aber wer einmal von der Magie der Bilder, der Sprache, der Kostüme und der Räume in den Bann gezogen wurde, der kann nur noch eines: Das Theater lieben.

 

Und trotz aller schädlichen Versuche Theater zu einer industriellen Unterhaltungsmaschenerie zu machen, werden sich die Wilden und Mutigen, die Phantasiebessenen und Querdenker, nicht aus dem Theater vertreiben lassen.

 

Denn mit ihnen würden wir diesen unbeschreiblich nützlichen Spiegel verlieren, der uns abhält dem gefühlskalten und geldgierigen Einheitsbrei der medialen Soapbrühe auf den Leim zu gehen.

 

Von dieser Liebe zum Theater jedenfalls, vom Können und auch von der Magie der falschen Realität erzählt die Ausstellung in den TRAFO Galerien… und übrigens wenn sie noch nicht zu den jährlich 18 Millionen Menschen  gehören, die in engen Bankreihen, inmitten hustender, raschelnder manchmal auch schnarchender Mitmenschen, für knapp 20 Euro 2 Stunden in eine ganz besondere Welt abtauchen, dann raten ich Ihnen….tun sie’s doch mal, es lohnt sich…garantiert.

 

Einen kleinen Vorgeschmack davon zeigen ihnen heute unsere drei Theaterkünstlerinnen, denen ich hiermit noch einmal ganz herzlich danken möchte.

 

(Michael Pommerening, Regenmantel  im Mai 2017)

 

Liebe Gäste und Freunde,

 

heute zur ersten Ausstellung des neuen Jahres wollen wir Gutes tun, wollen wir wieder Halt suchen, einen Anker finden im großen Meer der Sehnsüchte, einen warmen Platz im Sturm des Alltags. Und dieser Anker ist die Liebe.

 

Liebe ist der einzige Lebenszustand, den man nicht kaufen kann. Deshalb lohnt es immer wieder, sich darauf zu besinnen, wie wichtig sie für unser Leben ist. Hält sie ewig oder ist sie nur ein Moment, flüchtig wie das Glück?
 

Wir erleben in den Fotos von Lars Wiedemann einige Augenblicke dieses flüchtigen Zustands.

 

Nur 180 sec. ihrer sicherlich kostbaren Zeit möchte ich ihnen heute stehlen für die Liebe.

180 sec. - so lange dauert das Video welches sie per Schalterklick starten können.

 

Die kleinste Galerie der Welt leistet sich nämliche auch die kleinste Verweildauer vor der Kunst.

 

180 sec. ohne Gedanken an Sorgen, Trauer, Angst und ohne Hass, von dem in diesen Tage so oft gesprochen wird. Aber Hass, das ist kein Gemütszustand sondern eigentlich nur die Abwesenheit von Liebe. Hass baut keine Brücken zwischen den Menschen, Hass zerstört diese Brücken.

 

Nicht die großen Dinge sind es, die uns über den Alltag bringen und uns Hoffnung spenden, wenn die Tage wieder einmal von dunklen Wolken verschattet werden.

 

Liebe fühlen und auch zeigen, davor haben die meisten Menschen große Angst. Es ist die Angst, durch die Zuneigung dem anderen ausgeliefert zu sein, völlig schutzlos und verletzbar. Diese Angst verrät aber ein verstörtes Verhältnis zu den Mitmenschen und meist auch zu sich selbst.

 

Die größte Bedrohung für die Liebe ist der Alltag, das unachtsame Nebeneinander her laufen, wie zwei Schienen eines Gleises die ihren Weg nehmen in die scheinbare Unendlichkeit.

 

Vor dieser unendlichen Monotonie haben wir Angst.

Lars Wiedemann spielt mit diesem Daseinszustand, er bildet ihn ab und das auch mit dem nötigen Augenzwinkern.

 

Er lässt seinen Protagonisten freien Lauf hinein in die Monotonie des Gleichlaufs ohne den Versuch eines Ausbruchs. Szenen einer Ehe, sicherlich nicht nur in der Phantasie des Fotografen entstanden.

 

Lars Wiedemann hat diese Gratwanderung geschaffen bei der man nicht weiß, spielen seine Protagonisten nun diese Öde des Alltags, oder ist dieser Zustand des allmählichen Einschlummerns eines einst so grandios rosaroten Zustandes wie ihn nur die Liebe zaubert Realität?

 

Lars Wiedemann führt uns nur ganz kurz in eine Welt aus Nostalgie, Erinnern und sehnsüchtigen Hoffens auf einen Zustand der da Liebe heißt.

 

Vielleicht nur um sich selber zu überprüfen wo sie denn hin ist im Wirrwarr des Alltags oder uns daran zu erinnern, wie zerbrechlich dieser unbezahlbare und wunderschönste Daseinszustand ist.

Werfen sie einen Blick durch das Fensterglas auf diese kleine Welt der Fotos von Lars Wiedemann und vielleicht erinnern sie sich noch wie es war, als alles anfing, dieses Ding mit den Schmetterlingen.

 

Nehmen sie sich diese 180 Sekunden der Erinnerung. Sie tun es für sich und ganz bestimmt noch für jemanden an ihrer Seite.

Wünschen wir uns noch viele schöne Augenblicke hier am Feldrand mit der Kunst und der Freude am Leben und nicht zuletzt auch in Liebe.

 

Regenmantel, im Februar 2017

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© Michael Pommerening KunstRegen2014