Worte.

 

In der letzten Ausstellung in diesem Jahr zeigen wir in den drei TRAFO Galerien ab heute Arbeiten von Gisela Gräning.

 

Gisela Gräning hat sich mit ihren Arbeiten auf den Weg gemacht in die verschütteten Ebenen unserer Geschichte. Sie versucht Verdecktes, Vergessenes, Weggeworfenes durch ihre Kunst wieder ans Tageslicht zu bringen. Ihre Technik – die Collage- erlaubt es verschiedene Elemente wie die Malerei, die Fotografie, das Materialmischen zu einer neuen Gestalt, einem neuen Erscheinungsbild der Realität zusammen zu führen.

Im  digitalen Zeitalter würde man wohl Cut and Paste dazu sagen – ein künstlerisches Medium also, um die Sicht der Dinge in ein korrektes Licht zu rücken.

 

Die Collage erlaubt es Künstlern und Betrachtern einen Zeitsprung durch verschiedene Dimensionen zu machen. 

 

Ob verwaschene Schriftzüge, vergrabene Erinnerungen oder eingestürzte Architektur – all diese Momente in denen Geschichte, Naturkatastrophe oder der Krieg einst Lebendiges für immer unter sich begraben hat – kann die Kunst dabei helfen, diese Zeugen der Vergangenheit wieder lebendig werden zu lassen. Ein Kampf gegen das Vergessen und Verdrängen. Vergangenheit lässt sich nicht ausradieren, Erinnerungen sind ein Teil unseres Menschseins.

 

Die Vergangenheit ist Grundsubstanz unseres Lebens, da sie in sich den Kern der Zukunft birgt. Nur über die Vergangenheit gelingt der Weg über das Hier und heute bis in die Zukunft. Nicht immer leicht, aber eine Arbeit, die lohnt.

Gisela Gräning hat diese Arbeit auf sich genommen. Sich einen Weg ins Jetzt gebahnt und mit ihren Collagen für sich und vielleicht auch für andere Vergangenheit bewahrt um neue Realität daraus entstehen zu lassen. Ihre Bilder repräsentieren

Zeitgenössisches und zeigen zugleich, wie vergänglich unsere Existenz ist. Bilder, die die Vielschichtigkeit unserer Gesellschaft zeigen – und gleichzeitig, wie einfach sie sein kann.

 

Diese Art Vergangenes zu bewahren fühlt sich oft an, als ob man versucht, etwas zu manifestieren, was man niemals festhalten könnte – was wie Treibsand, der durch unsere flüchtigen Hände der Zeit rinnt.

 

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einen komplett neuen Anstrich zu verpassen ist eine besondere Art eine eigene Realität zu schaffen, eine komplett komplexe und gleichzeitig hochgradig naive neue Sichtweise auf Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten zu kreieren, um diese auf experimentelle Art und Weise gleich wieder aus den Angeln zu heben. 

 

Um in die Tiefen unserer Geschichte oder eigenen Erinnerungen vorzudringen braucht man einen scharfen Blick, man muss genau hinschauen darf sich auch von unliebsamen Dingen, von Gewalt und Zerstörung nicht ablenken lassen.

Diesen präzisen Blick braucht ein Künstler ganz besonders. Das Auge ist für ihn/ für sie ein Instrument die Realität ungetrübt von Erfahrung und Verstand in sich aufzunehmen.

 

„Das Ohr ist stumm, der Mund ist taub, aber das Auge vernimmt und spricht“, schrieb Goethe einst. Dabei hat das Auge in der Historie eine besondere Rolle eingenommen.

Die Macht unergründlicher, unheimlicher Augen hat sich nicht nur in Mythen wie dem versteinernden Blick der Medusa niedergeschlagen. Das Verhüllen der Augen bei Hinrichtungen wurde nicht als humanitäre Geste eingeführt, sondern aus Angst vor dem Blick des Delinquenten.

 

In vielen Ländern gibt es heute noch den Glauben an den „bösen Blick“ – eine Art telepathische Kraft, die einen Schadenszauber bewirkt, den es etwa mit aufgemalten Augen, oder dem Tragen eines Schleiers zu begegnen gilt.

So sehr wir unsere Gefühle manchmal auch verbergen wollen, unsere Augen verraten uns.

 

Auch in der heute zu eröffnenden Ausstellung werden uns diese Augen begegnen. Sie schauen uns an, erzählen uns vielleicht ihre Geschichte, verraten uns, wer uns da anschaut. Die Augen eines Menschen tragen das tiefe Geheimnis eines jeden Individuums in sich.

Versuchen sie einzutauchen in dieses Geheimnis. Gehen sie auf archäologische Erkundungstour mit den Bildern von Gisela Gräning. Tauchen sie ein in ihre Welt, entdecken sie die Welt ein Stückchen neu und nehmen sie diese neuen Erkenntnisse mit in den Winter und die nun nahende geheimnisvolle Welt des Weihnachtszaubers, alle Jahre wieder und alle Jahre wieder neu entdeckt.

 

 

 

Michael Pommerening               Regenmantel im November 2018

 

 

 

 

Worte zur Ausstellung

 

In der heute zu eröffnenden 43. Ausstellung der TRAFO Galerien möchten wir ihnen – wieder einmal kann man wohl schon sagen-Arbeiten von Alexandra Weidmann vorstellen. In dieser Werkschau in den drei TRAFO Galerien widmet  sie sich dem Thema TIER.LIEBE.MENSCH.

 

Seit mehr als 10.000 Jahren leben und arbeiten Mensch und Tier Seite an Seite. Vom gezähmten Wolf bis hin zu den sorgfältig gezüchteten und ausgebildeten Hunden von heute – Tiere waren schon immer an der Seite des Menschen, zum Schutz, zur Harmonie, zur inneren Ruhe.

Und unter den vielen Tieren sind Hunde wohl das bekannteste und älteste Begleittier. Schon 79 v.u.Z. wurde erstmals ein Blindenhund an der Seite eines Menschen erwähnt. So ist es im Laufe von Jahrtausenden dazu gekommen, dass der Hund vom praktischen Nutztier zum besten Freunde des Menschen geworden ist. Nicht von allen Menschen, weniger von Joggern, Spielplatztummlern und Ostseebadenden, aber doch recht viele geben ihrem Wuffi oder Hans täglich die lange Leine.

Für Alexandra Weidmann ist am Tier aber besonders der Körperbau, die daraus resultierende eigene Bewegungsart interessant. Aus ihren Bildern blicken uns die Vierbeiner mit ihren treuen oder verschmitzten oder auch einfach nur desinteressierten Augen an. Manchmal beim genauen Hinsehen meint man, dass die Tiere uns eine Geschichte erzählen wollen von ihrem Leben auf den weiten Fluren oder den engen Wohnungen, von dem schmackhaften Leckerlie oder dem schlechtgelaunten Betreuer an ihrer Seite.

Denn erleben werden diese tierischen Weggefährten wohl so einiges, was für uns Mitmenschen unerhört bleibt, was gar nicht erst oder unter vorgehaltener Hand so geschwatzt, gelästert oder auch gelogen wird. Vor Hund, Katze und Co. aber nehmen wir kein Blatt vor den Mund, ihm oder ihr erzählen wir von unseren Sorgen, Nöten seltener wohl Freuden. Er oder sie müssen es schlucken, können sich ja nicht wehren, aber vor allem können sie es keinem weitererzählen…..bloß gut möchte man da wohl meinen.

Diese Zwiesprache zwischen Mensch und Tier bring Alexandra Weidmann auf die Leinwand. In kräftigen fast schon barocken Farben, mit klarem Pinselstrich manchmal eher beiläufigem Blick, immer doch scheinbar authentisch, steckt in jedem Bild eine Geschichte. Oft sind es Erinnerungen der Künstlerin an ihre Kindheit, manchmal auch Visionen, weil so nicht erlebt, immer aber herzzerreißend komische, bizarre, versponnene Augenblicke von der Liebe zwischen Mensch und Tier.

Aber die Bilder erinnern auch an die zerstörende Kraft des Menschen, der oft wie eine naturfressende Dampfwalze durch die Wälder und Meere dieses Planeten marodiert.

Da hat man hier und da den Eindruck, der Mensch frisst die Natur und deren Lebewesen, ohne auf die Verluste zu achten und ein wenig frisst er damit auch die Unschuld seine eigenen Existenz gleich mit auf.

 

Die Rodung tropische Regenwälder – für den Anbau von Soja, das ganz wichtig ist in der Ernährung der europäischen Fleischesser, ist nur ein Beispiel dafür.

Wir werden umdenken müssen. Der Mensch kann die Welt nicht gegen die Natur beherrschen. Koexistenz von Mensch, Tier und Natur ist unerlässlich für Leben auf dem Planeten Erde. Und wir werden lernen müssen zu teilen. Die Wohlstandsparty ist vorüber. Den Globalplayer an den  Börsen und Märkten dieser Welt, die glauben uns zu regieren und gerade dabei sind die Welt neu aufzuteilen, müssen wir unser selbstorganisiertes Leben, unsere Ideen und unsere Vorstellungen entgegensetzten. Aber auch unsere Phantasie.

 

All das kann einem durch den Kopf gehen beim betrachten der Arbeiten von Alexandra Weidmann. Ihre Bilder zeichnet eine Leichtigkeit aus, die getragen ist von der Liebe zur Natur, zu den Pflanzen und Tieren, aber natürlich auch zum Menschen und dessen Liebe zu dem was da kreucht und fleucht.

 

Und diese Empathie sitzt tief. Getragen ist sie von wechselseitigem Vertrauen. Das Verhältnis zum Tier spiegelt den Entwicklungsstand unserer Menschlichkeit wieder, hatte Mahatma Gandhi vor einem Dreivierteljahrhundert festgestellt.

Wir sind auf dem Weg…..auch hier in den kleinsten Galerien der Welt und mit den Visionen und Phantasie der Malerin Alexandra Weidmann.

 

(Michael Pommerening, Regenmantel im September)

Liebe Gäste und Freunde der TRAFO Galerien,

ich begrüße sie heute zur 42. Ausstellung im Kunstprojekt TRAFO.1-3. mit Arbeiten der Künstlerin Regine Kuschke.

 

Bevor ich Euch einige Gedanken zu den hier gezeigten Arbeiten mitgeben möchte, freue ich mich Meike Grosse hier begrüßen zu können. Sie wird uns virtuos mit Johann Sebastian Bach einstimmen.

 

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, die eine will sich von der andern trennen. Die eine hält, in derber Liebeslust, sich an die Welt mit klammernden Organen. Die andere hebt gewaltsam sich vom Staub zu den Gefilden hoher Ahnen. (Goethes Faust, 1808)

 

Im Faustmythos geht es um den  Sinn der menschlichen Existenz, um den Menschen in seinem Hin- und Hergerissen sein  zwischen hellen und finstren Mächten die ihn auf Schritt und Tritt begleiten.

 

Und so wurde Faust schon bald zu einem Mythos. Steht doch sein Name für die zwischen zwei entgegengesetzten, scheinbar unvereinbaren Welten hin und her taumelnder menschlicher Existenz schlechthin.

 

Viele Menschen haben Erfolg, sind glücklich und besitzen ein offensichtlich perfektes Leben. Aber ist dies wirklich immer so? Natürlich nicht. Viele von ihnen scheinen etwas zu sein, was sie nicht sind. Man könnte auch sagen, sie tragen eine Maske, eine Schutzmaske im wahren Sinn.

 

Jeder will geliebt werden, wie er ist: Trotzdem scheuen sich die meisten Menschen davor, authentisch zu sein – ihr wahres Ich verbergen sie lieber hinter einer Maske. Oft verlangt das ach so freie Leben in unserer konsum- und Erfolg orientierten Welt das von uns. Wir können unser wahres Ich nicht offen durch den Alltag tragen. Doch kein Mensch kann auch ohne den äußeren Schein leben. Masken helfen, den Alltag auszuhalten, das ist im Job so aber auch in einer Liebesbeziehung.

 

Deprimierte Personen, die sich als Optimisten zeigen, ängstliche Menschen, die sich als ganz entspannt präsentieren, Leute, die eine Maske tragen, damit die Anderen nicht sehen, wie und wer sie in Wirklichkeit sind.

 

In der Geschichte, ob in den Palästen oder auf den Märkten waren es die Clowns, die hinter Schminke und einer Maske versteckt, uns den Spiegel vorhielten. Im Theater ist das noch heute so und auch die Kunst kann das leisten.

 

Clowns und Narren haben immer die gesamte Palette menschlicher Charakterzüge repräsentiert- waren das Ying und Yang, der Engel und der Teufel, das Gute und das Dunkle, die Liebe und der Hass. Und weil Clowns, Narren und oft auch Künstler keine Angst vor dem Scheitern und dem Verlust sozialer Anerkennung haben, macht sie das unberechenbar. Ein Clown fürchtet sich nicht mehr vor der eigenen Lächerlichkeit, er fürchtet sich vor gar nichts mehr. Und wer sich nicht fürchtet, ist nicht beherrschbar und wird damit gefährlich für die Mächtigen.

 

Regine Kuschke taucht in ihren Bildern ab in die unergründlichen oft versteckten und überdeckten Seiten der menschlichen Seele, zeigt - oft auch nur in Details- die Träumereien, das Verborgene, die andere Seite des Ich in ihren Figuren. In ihrer Kunst können Menschen ihr zweites Ich nach außen kehren, können zeigen, dass sie auch dunkle Seiten haben, dass sie ständig auf der Suche nach dem richtigen Schlüssel zu ihrem Leben sind, dass ihnen dabei die Dämonen im Nacken sitzen.

 

Aber ihre Figuren sind oft auch versonnen mit dem Blick nach Innen oder in die weite ungewisse Ferne. Die Malerin nutzt hier das,  was nur Kunst kann: Das nicht Aussprechbare auf die Leinwand zu bringen, das nicht Lebbare lebendig werden zu lassen. In ihren Figuren und Hauptdarstellern menschlicher Existenz zeigt sie uns auch die Liebe, die Sehnsucht und Hoffnung des Menschen, sich einmal frei von den Ketten gesellschaftlicher Normen und Werte zu bewegen. Und das kann man eben nur, wenn man sein zweites Ich hinter der Maske auch zulässt, es als einen Teil der gesamten Persönlichkeit akzeptiert. Immer nur gut ist Kitsch, immer böse Propaganda. Das Pendel der menschlichen Existenz sucht die Amplitude zwischen diesen beiden Polen auszuloten.

 

Die Malerei von Regine Kuschke tut das auf ihre Weise auch. Mit kräftigem Strich und leuchtenden Farben, mit Mut zur grenzenlosen Phantasie und mit dem vorsichtigen ergründen menschlicher Untiefen.

 

Es wird sie immer geben die Phantasten und Träumer, die Realisten und Macher, die Suchenden und die Rastlosen, die in sich Ruhenden und nach innen Schauenden. Allen ist gemein, dass sie nach einem Sinn suchen in der recht eigentlich doch kurzen Zeit unseres Daseins. Sie werden immer wieder an Grenzen stoßen, sie werden die zwei Seelen in ihrer Brust spüren und der eine wird sie mehr der andere weniger ausleben.

 

Masken können und müssen uns kurzzeitig helfen unsere Ängste zu verbergen. Die Stärke der Maske hängt von der Tiefe der uns zugefügten Wunde ab. Aber dann kommt ein neuer Tag und wieder werden wir Menschen es spüren, dieses Hin-  und Hergetaumel zwischen diesen beiden Polen des Lebens.

 

Bilder können uns Mut machen diese Masken solange wie möglich abzulegen.

Denn was ist Freiheit mehr, als offen die gesamte Spannbreite unserer Persönlichkeit auszuleben. Die Kunst von Regine Kuschke will uns auf diesem Weg begleiten, uns ihre Sichtweise des unergründlichen Seins näherbringen.

 

Ich wünsche Ihnen viel Erkenntnisse und Ermutigungen beim Betrachten der Arbeiten von Regine Kuschke, hier in Reitwein aber vollständig natürlich erst durch die Reise zu den kleinsten Galerien der Welt in Dolgelin und Regenmantel.

 

Und wenn Ihnen einmal ein Mephisto einen Vertrag zum besseren Leben anbietet: nicht mit Blut unterschreiben und vorher richtig durchlesen…oder am besten gar nicht unterschreiben.

 

(Michael Pommerening, Regenmantel im August 2018)

 

Gedanken zur Ausstellung

 

Deus ex machina, so der Titel unserer 41. Ausstellung in den drei Trafos Galerien.

Deus ex machina kommt aus dem lateinischen und bedeutet wörtlich übersetzt Gott aus der Maschine. Dieser Deus ex machina oder die antike Gottheit wurde ursprünglich im antiken Theater mithilfe eines  Bühnenkrans, der sogenannten Theatermaschine, über die Bühne gehoben oder auf dem  Bühnendach abgesetzt. Auf diese Weise wurde die Macht der Gottheiten dargestellt, die auf das  Geschehen auf der Bühne Einfluss nehmen sollte. Das heißt, wenn die Schauspieler einen Konflikte  nicht lösen konnten oder  das Schicksal der Protagonisten sich plötzlich und überraschend wendete, dann erschient der Deus, half.

 

Heute würde man wohl eher sagen, er kam wie Kai aus der Kiste, plötzlich, unerwartet und sogar mit ein paar kleinen Theatertricks.

 

Oh wie wunderbar wäre es doch, könnten wir hier auf Erden unsere Probleme auch so einfach lösen. Die verschiedenen Religionen bieten dann zwar immer noch den Blick gen Himmel und die Bitte, dass ihr jeweiliger Gott ihnen helfe, aber ich halte es das lieber mit Lope de Vega der da meint, was du nicht selber tust, wird kein anderer für dich tun.

Die Künstler, deren Arbeiten wir heute präsentieren, sind gemeinsam mit dem Regisseur die ersten, die sich Gedanken machen in welchem Raum und in welchen Kostümen ein bestimmter Stoff auf die Bühne gebracht sind. Sie erfinden den Deus der dann irgendwann vielleicht durch einen Trick die Zuschauer in Erstaunen versetzt.

 

Aber ganz irdisch vertraut heute jeder Regisseur doch bei der Lösung seiner dramatischen Probleme eher auf das erwähnte Lope de Vega Prinzip und der kreativen Ideen der Kostüm- und Bühnenbildner.

 

Und das sind heute bei uns Sabine Pommerening, Joachim Herzog und Alexander Martinov, die in unserer Ausstellung hier in den drei Galerien alle samt eines eint, nämlich alle drei haben dem Regisseur Herbert Olschok ihre Ideen zu einer gemeinsamen Theaterlösung geliefert. Die Ergebnisse können wir in den Modellen, Fotos und Skizzen bewundern.

 

Ergebnisorientiertes Denken ist das Schlagwort einer nach Werten ausgerichteten Gesellschaft. Auf dem Weg zu diesem Ergebnis wird dabei oft vergessen, dass wir viel am Wegesrand unbeachtet zurücklassen: die schönen Dinge des Lebens, die Freundschaft, die Liebe und allzu oft auch die Menschen, die uns nahe sind. Und all diese Dinge liefern den Stoff aus dem das Leben ist.

 

Dieser Stoff – diese Geschichten sind die Essenz ohne die es Regisseuren wie Herbert Olschok nicht möglich wäre Theater zu machen. Ohne diese Fülle nie enden wollender Lebensepisoden, dramatischer Wendungen und komischer Situationen gäbe es kein Theater. Wenn Theater keine Geschichten mehr erzählen kann, wäre es tot, wären wir tot.

 

Sie alle, die Theater machen, Theater lieben, lieben auch das Leben, lieben ihre Figuren als wären es ihre Kinder. Sie legen diese Liebe in ihre Arbeit, durchdringen selbst die finstersten Charaktere und geben ihnen die Chance die Herzen der Zuschauer zu bewegen.

 

Theater ist die Kunst Geschichten zu erzählen, wie sie so vielleicht nie passiert sind, aber täglich Realität werden können.

Theater stellt bloß, überhöht, provoziert, hat das Lachen und das Weinen, das Salz des Lebens eben auf seiner Seite.

 

Jeder, der in diese Welt der Figuren, Phantasien und Bilder eintaucht, wird erkennen, dass das Theater lebt, schon mehr als 2500 Jahre und es weiter lebt, wenn es nur immer wieder von diesem Leben, der Liebe und Leidenschaft, dem Werden und Vergehen und auch den Träumen der großen und kleinen Helden erzählt. Und so sind die Erinnerungen- auch unseres Lebens- meist an die guten Helden geknüpft.

Die Theatermacher haben erkannt, dass Theater nichts Starres ist, sondern sich immer die Frage gefallen lassen muss: Warum spiele ich dieses Stück heute und jetzt?  Und sich dadurch immer wieder selbst infrage stellt.

 

Und Fragen stellt der dramatische Text ausreichend, von Aischylos über Shakespeare bis Müller immer die gleichen von Liebe und Macht, Leben und Tod. Die Figuren dieses ältesten Spiels aller Zeiten taumeln durch Zeit und Raum und suchen nach Antworten.

Für die kurze Zeit, in der wir diesen Geschichten zuhören, entfliehen wir für einen Flügelschlag der Zauberfee aus unserem Alltag, halten inne und gehen einen Schritt zurück in unsere Erinnerungen.

 

Mit einem kleinen aber liebevollen Stoß schicken die Theaterkünstler, ob Regisseur oder Gestalter diese Figuren ins Leben, in unser Leben. Und das tun sie, wie so viele Künstler, weil sie mit ihrer Kunst das Leben und also uns in Bewegung halten wollen, uns immer wieder zu dem anregen, was nur uns Menschen als Segnung gegeben ist DAS DENKEN und die PHANTASIE.

 

Kunst bringt uns das Unbekannte, Geheimnisvolle, das Fremde näher. Manchmal hart und unerbittlich, manchmal liebevoll und tröpfchenweise.

Denn das ist Theater für alle, die es ernst und mit Humor nehmen, ein Spiel vom Leben, der Liebe und den Hoffnungen durch die Zeiten und Räume unseres Seins und des Universums.

 

Und so möchten wir Ihnen heute einen kleinen Einblick geben in den Kosmos des Regisseurs Herbert Olschok und der Bühnen- und Kostümbildner Sabine Pommerening, Joachim Herzog und Alexander Martinov.

 

Und wir möchten ihnen diese eine Idee, gegen alle digital verliebten – und kunstgeringschätzenden mit auf den Weg geben: erhaltet und bewahrt diese eure Geschichten, denn nur sie werden euch überdauern und von euch erzählen, wenn ihre schon lange nicht mehre durch die irdischen Gärten wandelt. Und deshalb bleibt wahr, was unverzichtbar ist: THEATER MUSS SEIN !

 

Basta! Und viel Spass beim Entdecken und Nachdenken.

 

Michael Pommerening, Regenmantel im Juni 2018

<Gedanken zum Tag

Manchmal steht sie still, für einen kleinen, wunderbaren Moment.

Dann wieder rennt sie, verfliegt, drängelt – oder will einfach nicht vergehen, zieht sich oder schleppt sich vor sich hin, dann ist sie wieder Gold oder Geld : die Zeit. Man kann sie nicht sehen, nicht hören, nicht riechen und nicht fassen und eigentlich kann man sie auch nicht umstellen.

 

Nur eines steht fest , dass sie vergeht – und zwar für jeden auf eigene Art und Weise, in seinem eigenen Tempo.

 

Die Menschen im Mittelalter kannten keine Uhr - und den Lauf der Zeit nahmen sie grundlegend anders wahr als wir heute. Die Zeit war vor allem der naturgegebene Übergang von Tag und Nacht sowie der Wechsel der Jahreszeiten. Die Menschen erlebten die Zeit nicht als etwas Lineares, etwas Voranschreitendes, sondern betrachteten sie als einen ewigen Kreislauf.

 

Und auch die Zeitmesser ließen der Phantasie der Menschen freien Lauf. So etwa eine Wasseruhr aus dem Orient des 4. Jahrhunderts, die die Stunden mithilfe von Bronzekugeln anzeigte, die in ein Becken fielen und dabei stets einen wunderschönen Klang erzeugten..

 

In der Vergangenheit gab es in jedem Land, jeder Region, ja manchmal auch in benachbarten Dörfern unterschiedliche Uhrzeiten. Das sorgte für Verwirrung – manchmal mit verheerenden Folgen:

Am 12. August 1853 etwa zeigte die Taschenuhr eines Lokführers die falsche Zeit an, der Mann steuerte seine Dampflokomotive mit den Waggons auf ein Gleis. Deshalb stießen in Virginia Falls (USA) zwei Züge zusammen, 13 Menschen starben. Das Unglück löste eine Debatte um die richtige Uhrzeit aus. Und so wurde in Deutschland dann endlich 1893 mit dem "Gesetz betreffend der Einführung einer Einheitlichen Zeitbestimmung" eine einheitliche Uhrzeit amtlich verordnet.

 

Die Zeitmessung ist also ein Produkt des Menschen und wir versuchen sie bestmöglich zu nutzen. Andererseits sind wir aber auch Sklaven der Zeit. Wenn wir uns wünschen, dass etwas schnell passiert, dauert es immer ewig, bis wir es bekommen. Und die schönsten Momente, von denen wir möchten, dass sie ewig andauern, gehen viel zu schnell vorbei.

 

Kaum trottet man einen Moment lang durch den Alltag, schon ist wieder ein Jahr vergangen. Schlimmer noch: Die Zeit scheint immer rasanter zu vergehen, je älter man wird.

 

Und die Zeit hinterlässt Spuren in den Gesichtern der Menschen. Jeden Morgen im Spiegel des neuen Tages können wir dieses Phänomen sehen, ob es uns recht ist oder nicht: die Gräben die die Zeit in unseren Gesichtern hinterlässt werden immer tiefer.

Und gerade die wichtigste Erkenntnis, dass Zeit Bewegung bedeutet, hat die Kunst schon immer interessiert.

 

Auch in den Bildern von Britta von Willert, die wir in ihrer Unterschiedlichkeit ab heute in den drei Trafos sehen können, ist das Thema der Vergänglichkeit auf wunderbare Weise umgesetzt. Seien es die großformatigen Arbeiten, die schöner und direkter die Spuren des Lebens in den Gesichtern der dort abgebildeten Menschen gar nicht zeigen können, oder das Aufeinandertreffen von zeitlich unterschiedlichen Momentaufnahmen in der Großstadt Berlin, bis hin zu den eingefrorenen Augenblicken von Wut, Trauer und Hoffnung in den Gesichtern von prominenten Fußballspielern, all dies sind mit Liebe und Hingabe und großer Ehrfurcht vor dem Menschen geschaffene Werke der Malerin Britta von Willert.

 

Die Gesichter scheinen den wilden Landschaften einer noch unberührten Natur zu entspringen. Die tiefen Gräber des Erlebten und Durchlebten in den Gesichtszügen, sind die Zeugen eines Lebens in Liebe, Zorn, Hoffnung und Trauer.

 

Die Augen, deren magischem Blick man sich nur unschwer entziehen kann, widerspiegeln die wunderschöne aber auch bedrohliche Reise dieses Menschen durch die Jahre seines Lebens.

 

Aber die Vergänglichkeit dieses Lebens macht vielen Menschen auch Angst. Sie verdrängen, das Zeit genau das ist: unendliche Endlichkeit des Seins. Und da muten alle Versuche mit Messer oder Spritze diese menschliche Zeitreise anzuhalten, die Vergänglichkeit auszubremsen doch eher kläglich an und enden dann ja oft auch in Menschenbildern die eher wie Totenmasken erstarren als in Würde die Erkenntnis zu teilen, das Zeit nicht aufzuhalten ist.

 

Britta von Willert hat in ihren Bildern genau das erkannt, hat sich der Endlichkeit gestellt, lässt ihre Werke uns erkennen, dass wir dieses eine Leben mit allen Höhen und Tälern in uns aufsaugen müssen, um jedes Sekunde zu genießen, zu erfahren, das nur das Akzeptieren der Vergänglichkeit uns Stärke zum Leben gibt.

Ihre Bilder sind direkt, lassen kein Ausweichen zu, man kann nicht wegschauen, man kann nicht weglaufen, man kann sie nicht anhalten …die Zeit. Sie ist da schaut uns an und lässt – wenn wir es zulassen- in uns Demut aufkommen, vor dem Leben, der Schöpfung und der Vergänglichkeit.

 

Britta von Willert malt radikal und ganz direkt ihre Wahrheit auf die Leinwand. Mal schrill und farbig, mal verhalten in den Farben matt. Sie tut damit das, was große Kunst immer schon getan hat, sie reflektiert ihre Erkenntnis der Realität, der Wirklichkeit und des Lebens schonungslos wahrhaftig, abseits von allen Versuchen dieser kapitalen Verjüngungsindustrie die Zeit zurückzudrehen und schafft damit Kunstwerke, die in ihrer Einmaligkeit mitten im wirklichen Leben stehen.

 

Wenn Sie als Betrachter einen kleinen Ausschnitt aus dem breiten Spektrum dieser Betrachtungswelt der Malerin Britta von Willert erfahren wollen: dieses mal müssen sie sich wirklich auf die Reise zu den beiden anderen Trafos begeben, denn jeder Trafo zeigt nur einen Blickwinkel auf die Vergänglichkeit der Zeit in ihren Kunstwerken.

Ich wünsche Ihnen viele Genuss und ein wenig Erkenntnis über das Phänomen der Zeit und des Vergehens.

 

Gleich hier können sie schon mal anfangen nehmen sie sich einfach…die Zeit!

 

(Michael Pommerening, Mai 2018)

 

Als Charles Darwin 1859 sein Hauptwerk "Die Entstehung der Arten“ veröffentlichte, war Spott und Unglaube die Reaktion. Darwins Kritiker waren vor allem Geistliche und an der Bibel orientierte Wissenschaftler, die Darwins Theorie, dass alle Lebewesen von einem gemeinsamen Vorfahren abstammen würden, als absurd abstempelten. Und noch wird im Land der unbegrenzten Möglichkeiten – der selbsternannten Schöpfung der Moderne- Darwins Theorie teilweise  vehement abgelehnt und bekämpft.

 

Im Zoo und Tierpark, ja dort drücken wir uns die Nasen platt und eigentlich doch nur um zu sehen, wie viel menschliches da vor unseren Augen rumalbert, rumtollt und rumspielt  -und die Welt auf dem engen Raum ihres Käfigs trotzdem jeden Tag neu entdecken will.

 

Und recht eigentlich staunen wir doch immer wieder, wie ähnlich unsere vermeintlichen Vorfahren uns doch wirklich noch sind. Am liebsten sehen wir, wenn sie sich kratzen, nach Flöhen absuchen, Grimassen schneiden.. sich halt so richtig zum Affen machen.. dann klicken die Smartphones  und machen uns ein Bild von unserer eigenen humanen Vorvorzeit.

Hightech trifft Steinzeit.

 

Schimpansen sind unsere nächsten lebenden Verwandten im Tierreich. Und wer sich wissenschaftlich mit diesen Lebewesen befasst, der weiß, dass wir uns in vielen Dingen sehr ähnlich sind: Schimpansen basteln Werkzeuge, sie führen Kriege, kooperieren miteinander und manchmal handeln sie sogar uneigennützig und im Sinne der Gemeinschaft!

 

Die Kirche glaubt, der Mensch sei von der Hand Gottes geschaffen. Warum glauben das die Affen wohl nicht? Können Tiere überhaupt glauben. Haben Sie schon mal einen Affen beten sehen oder beichten? Facebook und Google als angebetete Götter der Neuzeit scheinen zu meinen, wenn der Mensch die Krone der Schöpfung Gottes ist, hat Gott auch das Recht alles über jeden zu wissen – die digitale Beichte eben…nur das hier alle mitlesen können.

Auch wir Menschen haben ab und an den Drang dem Affen zu richtig Zucker zu geben, einen Salto zu schlagen, dem fiesen Chef den Nackten zu zeigen…aber leider geht das nicht, wir müssen schön artig funktionieren. Wir sind eben zivilisiert und frei.

 

Gott lobe die Freiheit!

 

Aber dies alles lässt sich ertragen, weil es ja den Genuss des Wohlstands gibt.

Einigen aber reicht das nicht, um sich die Augen vor der Realität zuzuhalten, den Mund und die Ohren gleich mit.

 

Einer von ihnen ist Jörg Engelhardt. Er hat uns Menschen in seinen Affen versteckt, hat menschliche Schwächen und Entgleisungen in seiner Manege zusammengetrieben. Die Eitlen, die Chefs und Clowns, die Spaßmacher und Spielverderber….alle haben in seinem Affenzirkus Platz und ihre Dompteure gefunden.

 

Diese seine Affenwelt erarbeitet sich Jörg Engelhardt in dem gleichen Atelier, in dem auch der Hofbildhauer von Adolf dem großen Weltverderber – Arno Breker mit Namen- damals seine Übermenschen in Stein gemeißelt hat. Idealisiert, fehlerlos und makelfrei.

 

Ganz anders die Affen von Jörg Engelhardt- erfrischend klein, tierisch lustig, mit Fehlern und Macken ausgestattet…wie wir Menschen. Sie wollen König sein und Clown, Macho und Kobold.

 

Manchmal muss der Affe auch in der vegetarischen Argumentationskette herhalten, wenn zu beweisen ist, dass man auch ganz ohne Fleisch 300 kg auf die Waage bringen kann und affenstark ist – wie z.b. der Oran Uta.

Stimmt zwar nicht ganz, denn hätte die Vorfahren dieser Gattung in ihrer primatösen Phantasie nicht das Feuer erfunden und sich so ihre Gemskeule gar gekocht, hätten wir heute keinen Gutenberg, Da Vinci und Einstein in der stolzen Ahnengalerie menschlicher Genialität.

 

Also bleibt uns beim Bestaunen von Schimpi, Oran und Co. doch ein wenig die Bewunderung für Wesen, die, trotzdem uns die lange Kette der Evolution schon vor 20 Millionen Jahren getrennt hat, sich immer noch ihre fast kindliche Naivität und –Neugier erhalten haben und beim Bestaunen dieser Welt so gar nicht cool und affengeil sind.

 

Jörg Engelhardt lebt seine ungezügelte Lebenswut und schelmische Phantasie an seinen Figuren aus.

 

Seine Figuren sprechen zu uns. Von Trauer und Freude, von Lust und Last am Leben, von den vielen tausend Stimmungen, die unseren Alltag ausmachen. Sie tun das ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Naiv, ehrlich, hemmungslos…wie es nur Affen können und wir Menschen es größtenteils verlernt haben.

Engelhardt ist brillant in seiner Formgebung, immer auf dem Weg und immer das Gefühl vermittelnd, das seine Figuren noch nicht fertig sind, noch auf der Suche. Das Leben aber lässt uns oft nicht die Zeit für diese Suche. Das Leben braucht uns perfekt mit Haut und Haar und Haus und Hof am besten…und so klingeln die Kassen der Psycho-Heiler weiterhin krisenfest.

 

Aber Kunst kann das eben: über sich selber lachen, Fehler zeigen, den Phantasien Zucker geben, das Leben nach einem Sinn durchsuchen und manchmal einfach träumen….. als wären wir Affen. Dabei nimmt uns Jörg Engelhardt an die Hand und führt uns in seine Welt der Gleichnisse und Spiegel.

 

Also hereinspaziert in das Universum der Affen von Jörg Engelhardt, das für ein paar Wochen zuhause ist in der kleinsten Galerien der Welt, hier in Reitwein, in Dolgelin und Regenmantel auch

 (Regenmantel, März 2018)

 

Gedanken zum Tag.

 

Liebe Gäste, liebe alte und neue Freunde der TRAFO Galerien.

 

Heute möchte ich hier in Regenmantel die erste Ausstellung in diesem Jahre eröffnen. Die Gruppe „Grenzlandfotografen“ wird uns einen Einblick in ihr künstlerisches Schaffen gewähren.

 

Die Geschichte der Fotografie ist lang. Sie begann nicht erst mit dem berühmten Blick aus einem Arbeitszimmer in Le Gras. Aufgenommen wurde sie von Joseph Nicéphore Niépce 1826/1827. Er arbeitete zusammen mit Louis-Jacques-Mandé Daguerre an einem Verfahren, Bilder für die Ewigkeit festzuhalten. Die Belichtungszeit dauerte mehrere Stunden und noch heute ist diese Fotografie erhalten.

 

Nein, sie begann schon viel früher mit der Camera obscura (lateinisch für dunkle Kammer) und war ursprünglich ein abgedunkelter Raum mit einem Loch in der Wand. Leonardo Da Vinci erkannte erstmals die Nutzungsmöglichkeiten der Camera obscura.

 

Ab 1900 stellte die deutsche Aktien-Gesellschaft für Anilin-Fabrikation (kurz AGFA) Rollfilme für die Tageslichtwechslung in industrieller Produktion her.

 

Das war der Beginn der Fotografie, wie wir sie noch erlebt haben. Analog, spannend und auch eine wenig besonders.

 

Heute hat die Fotografie die Massen erreicht, Selfiewahn und Fotos von Schnitzel oder Schmollmund gehen digital um die Welt, junge Spaßvögel stehen sich vor den Fotokästen auf der Straße die Beine in den Bauch um vier schwarz/weiss Fotos zubekommen, aber eigentlich interessiert der spannenden Vorgang wie Licht und Chemie Bilder erzeugen kaum noch jemanden.

Ein Harvard Professor schlägt vor das Netz müsse vergessen lernen, Fotos ins Netzt gestellt sollten sich nach einer bestimmten Zeit wieder löschen..

 

Auch dieser Wunsch erhielt recht bald seine Entsprechung. Die digitale Verwertungsmaschine lässt nie lange auf sich warten:  Snapchat heißt der neue Run: Eine-Foto-App, mit der man Bilder verschicken kann, die sich nach einer bestimmten Anzahl von Sekunden selbst löschen. Mehr als 50 Millionen Fotos werden so täglich über Snapchat verschickt.

 

Mehr als jedes andere Bildmittel hat die Fotografie unsere Wahrnehmung der Welt geprägt und unser Verhältnis zur Wirklichkeit verändert.

 

Der Augenblick, der so vergänglich ist uns auch einen anderen Blick auf die Welt zeigen kann. Trotzdem hatte es die Fotografie nicht leicht ihren Weg in die Kunst zu finden.

Der Vorwurf: Der Fotograf kann mit Hilfe eines Apparates die Welt nur abbilden, während ein Maler oder Bildhauer in seinem Werk die Wirklichkeit transzendiert. Das andere Lager –meist Fotografen- glaubten zweitweise die Fotografie würde die Nachfolge der Malerei antreten und diese schließlich völlig ersetzen. Zum Glück - für die Malerei und die Fotografie - haben sich die Dinge anders entwickelt.

 

Heute hat die Fotografie ihren Platz im Großen Rund der Kunst gefunden.

Welchen Platz sie dort einnehmen kann möchten wir heute in unserer Ausstellung zeigen. Sieben Fotografen haben sich im Grenzland der Oder gefunden, um ihren Blick auf die Welt, ihre eingefrorenen Augenblicke des Lebens uns näher zu bringen. Ob verlassene Orte im Oderland, Hausbesetzer in Berlin, Menschen auf dem Dorf in Afrika, oder auf den Straßen von Madrid, Menschen in ihrer verletzlichen Nacktheit, oder Traumvisionen vom Fliegen, dies alles sind sie eben, die anderen Blickwinkel auf unsere Umwelt, unsere Nachbarn, die Welt da draußen.

 

Michael Anker, Christina Bohin, Malte P. Codenys, Jörg Engelhardt, Jörg Hannemann, Andreas Klug, Tosten Zentner und Falk Wieland gibt es nun seit über einem Jahre als Team der Oderlandfotografen. Sie haben den Weg genommen von ihre Heimat hier auch hinaus in die Welt. Sie zeigen uns, dass es überall Geschichten gibt, die irgendwie menschlich allzu menschlich sind, das Liebe, Hass, Wut und Trauer, aber auch das Träumen internationale sind. Sie verlassen für uns die heimisch gewordenen Wege, um uns von ihren Erlebnissen und Geschichten zu berichten.

Sie zeigen behutsamen Ansichten dieser Welt und ihrer Menschen, ganz anders als die Konsumwut der digitalen Segnungen millionenfach ins Netz gestellt.

 

Ab heute können wir einen ganz kleinen Ausschnitt davon in den drei TRAFO Galerien durch die camera obscura betrachten. Folgen sie den Spuren der Grenzlandfotografen und seien sie Gast in der ersten Ausstellung der TRAFO Galerien in diesem Jahr.

 

(Michael Pommerening, Regenmantel im Februar)

 

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© Michael Pommerening KunstRegen2014