Gedanken zur Ausstellung

 

Deus ex machina, so der Titel unserer 41. Ausstellung in den drei Trafos Galerien.

Deus ex machina kommt aus dem lateinischen und bedeutet wörtlich übersetzt Gott aus der Maschine. Dieser Deus ex machina oder die antike Gottheit wurde ursprünglich im antiken Theater mithilfe eines  Bühnenkrans, der sogenannten Theatermaschine, über die Bühne gehoben oder auf dem  Bühnendach abgesetzt. Auf diese Weise wurde die Macht der Gottheiten dargestellt, die auf das  Geschehen auf der Bühne Einfluss nehmen sollte. Das heißt, wenn die Schauspieler einen Konflikte  nicht lösen konnten oder  das Schicksal der Protagonisten sich plötzlich und überraschend wendete, dann erschient der Deus, half.

 

Heute würde man wohl eher sagen, er kam wie Kai aus der Kiste, plötzlich, unerwartet und sogar mit ein paar kleinen Theatertricks.

 

Oh wie wunderbar wäre es doch, könnten wir hier auf Erden unsere Probleme auch so einfach lösen. Die verschiedenen Religionen bieten dann zwar immer noch den Blick gen Himmel und die Bitte, dass ihr jeweiliger Gott ihnen helfe, aber ich halte es das lieber mit Lope de Vega der da meint, was du nicht selber tust, wird kein anderer für dich tun.

Die Künstler, deren Arbeiten wir heute präsentieren, sind gemeinsam mit dem Regisseur die ersten, die sich Gedanken machen in welchem Raum und in welchen Kostümen ein bestimmter Stoff auf die Bühne gebracht sind. Sie erfinden den Deus der dann irgendwann vielleicht durch einen Trick die Zuschauer in Erstaunen versetzt.

 

Aber ganz irdisch vertraut heute jeder Regisseur doch bei der Lösung seiner dramatischen Probleme eher auf das erwähnte Lope de Vega Prinzip und der kreativen Ideen der Kostüm- und Bühnenbildner.

 

Und das sind heute bei uns Sabine Pommerening, Joachim Herzog und Alexander Martinov, die in unserer Ausstellung hier in den drei Galerien alle samt eines eint, nämlich alle drei haben dem Regisseur Herbert Olschok ihre Ideen zu einer gemeinsamen Theaterlösung geliefert. Die Ergebnisse können wir in den Modellen, Fotos und Skizzen bewundern.

 

Ergebnisorientiertes Denken ist das Schlagwort einer nach Werten ausgerichteten Gesellschaft. Auf dem Weg zu diesem Ergebnis wird dabei oft vergessen, dass wir viel am Wegesrand unbeachtet zurücklassen: die schönen Dinge des Lebens, die Freundschaft, die Liebe und allzu oft auch die Menschen, die uns nahe sind. Und all diese Dinge liefern den Stoff aus dem das Leben ist.

 

Dieser Stoff – diese Geschichten sind die Essenz ohne die es Regisseuren wie Herbert Olschok nicht möglich wäre Theater zu machen. Ohne diese Fülle nie enden wollender Lebensepisoden, dramatischer Wendungen und komischer Situationen gäbe es kein Theater. Wenn Theater keine Geschichten mehr erzählen kann, wäre es tot, wären wir tot.

 

Sie alle, die Theater machen, Theater lieben, lieben auch das Leben, lieben ihre Figuren als wären es ihre Kinder. Sie legen diese Liebe in ihre Arbeit, durchdringen selbst die finstersten Charaktere und geben ihnen die Chance die Herzen der Zuschauer zu bewegen.

 

Theater ist die Kunst Geschichten zu erzählen, wie sie so vielleicht nie passiert sind, aber täglich Realität werden können.

Theater stellt bloß, überhöht, provoziert, hat das Lachen und das Weinen, das Salz des Lebens eben auf seiner Seite.

 

Jeder, der in diese Welt der Figuren, Phantasien und Bilder eintaucht, wird erkennen, dass das Theater lebt, schon mehr als 2500 Jahre und es weiter lebt, wenn es nur immer wieder von diesem Leben, der Liebe und Leidenschaft, dem Werden und Vergehen und auch den Träumen der großen und kleinen Helden erzählt. Und so sind die Erinnerungen- auch unseres Lebens- meist an die guten Helden geknüpft.

Die Theatermacher haben erkannt, dass Theater nichts Starres ist, sondern sich immer die Frage gefallen lassen muss: Warum spiele ich dieses Stück heute und jetzt?  Und sich dadurch immer wieder selbst infrage stellt.

 

Und Fragen stellt der dramatische Text ausreichend, von Aischylos über Shakespeare bis Müller immer die gleichen von Liebe und Macht, Leben und Tod. Die Figuren dieses ältesten Spiels aller Zeiten taumeln durch Zeit und Raum und suchen nach Antworten.

Für die kurze Zeit, in der wir diesen Geschichten zuhören, entfliehen wir für einen Flügelschlag der Zauberfee aus unserem Alltag, halten inne und gehen einen Schritt zurück in unsere Erinnerungen.

 

Mit einem kleinen aber liebevollen Stoß schicken die Theaterkünstler, ob Regisseur oder Gestalter diese Figuren ins Leben, in unser Leben. Und das tun sie, wie so viele Künstler, weil sie mit ihrer Kunst das Leben und also uns in Bewegung halten wollen, uns immer wieder zu dem anregen, was nur uns Menschen als Segnung gegeben ist DAS DENKEN und die PHANTASIE.

 

Kunst bringt uns das Unbekannte, Geheimnisvolle, das Fremde näher. Manchmal hart und unerbittlich, manchmal liebevoll und tröpfchenweise.

Denn das ist Theater für alle, die es ernst und mit Humor nehmen, ein Spiel vom Leben, der Liebe und den Hoffnungen durch die Zeiten und Räume unseres Seins und des Universums.

 

Und so möchten wir Ihnen heute einen kleinen Einblick geben in den Kosmos des Regisseurs Herbert Olschok und der Bühnen- und Kostümbildner Sabine Pommerening, Joachim Herzog und Alexander Martinov.

 

Und wir möchten ihnen diese eine Idee, gegen alle digital verliebten – und kunstgeringschätzenden mit auf den Weg geben: erhaltet und bewahrt diese eure Geschichten, denn nur sie werden euch überdauern und von euch erzählen, wenn ihre schon lange nicht mehre durch die irdischen Gärten wandelt. Und deshalb bleibt wahr, was unverzichtbar ist: THEATER MUSS SEIN !

 

Basta! Und viel Spass beim Entdecken und Nachdenken.

 

Michael Pommerening, Regenmantel im Juni 2018

<

Manchmal steht sie still, für einen kleinen, wunderbaren Moment.

Dann wieder rennt sie, verfliegt, drängelt – oder will einfach nicht vergehen, zieht sich oder schleppt sich vor sich hin, dann ist sie wieder Gold oder Geld : die Zeit. Man kann sie nicht sehen, nicht hören, nicht riechen und nicht fassen und eigentlich kann man sie auch nicht umstellen.

 

Nur eines steht fest , dass sie vergeht – und zwar für jeden auf eigene Art und Weise, in seinem eigenen Tempo.

 

Die Menschen im Mittelalter kannten keine Uhr - und den Lauf der Zeit nahmen sie grundlegend anders wahr als wir heute. Die Zeit war vor allem der naturgegebene Übergang von Tag und Nacht sowie der Wechsel der Jahreszeiten. Die Menschen erlebten die Zeit nicht als etwas Lineares, etwas Voranschreitendes, sondern betrachteten sie als einen ewigen Kreislauf.

 

Und auch die Zeitmesser ließen der Phantasie der Menschen freien Lauf. So etwa eine Wasseruhr aus dem Orient des 4. Jahrhunderts, die die Stunden mithilfe von Bronzekugeln anzeigte, die in ein Becken fielen und dabei stets einen wunderschönen Klang erzeugten..

 

In der Vergangenheit gab es in jedem Land, jeder Region, ja manchmal auch in benachbarten Dörfern unterschiedliche Uhrzeiten. Das sorgte für Verwirrung – manchmal mit verheerenden Folgen:

Am 12. August 1853 etwa zeigte die Taschenuhr eines Lokführers die falsche Zeit an, der Mann steuerte seine Dampflokomotive mit den Waggons auf ein Gleis. Deshalb stießen in Virginia Falls (USA) zwei Züge zusammen, 13 Menschen starben. Das Unglück löste eine Debatte um die richtige Uhrzeit aus. Und so wurde in Deutschland dann endlich 1893 mit dem "Gesetz betreffend der Einführung einer Einheitlichen Zeitbestimmung" eine einheitliche Uhrzeit amtlich verordnet.

 

Die Zeitmessung ist also ein Produkt des Menschen und wir versuchen sie bestmöglich zu nutzen. Andererseits sind wir aber auch Sklaven der Zeit. Wenn wir uns wünschen, dass etwas schnell passiert, dauert es immer ewig, bis wir es bekommen. Und die schönsten Momente, von denen wir möchten, dass sie ewig andauern, gehen viel zu schnell vorbei.

 

Kaum trottet man einen Moment lang durch den Alltag, schon ist wieder ein Jahr vergangen. Schlimmer noch: Die Zeit scheint immer rasanter zu vergehen, je älter man wird.

 

Und die Zeit hinterlässt Spuren in den Gesichtern der Menschen. Jeden Morgen im Spiegel des neuen Tages können wir dieses Phänomen sehen, ob es uns recht ist oder nicht: die Gräben die die Zeit in unseren Gesichtern hinterlässt werden immer tiefer.

Und gerade die wichtigste Erkenntnis, dass Zeit Bewegung bedeutet, hat die Kunst schon immer interessiert.

 

Auch in den Bildern von Britta von Willert, die wir in ihrer Unterschiedlichkeit ab heute in den drei Trafos sehen können, ist das Thema der Vergänglichkeit auf wunderbare Weise umgesetzt. Seien es die großformatigen Arbeiten, die schöner und direkter die Spuren des Lebens in den Gesichtern der dort abgebildeten Menschen gar nicht zeigen können, oder das Aufeinandertreffen von zeitlich unterschiedlichen Momentaufnahmen in der Großstadt Berlin, bis hin zu den eingefrorenen Augenblicken von Wut, Trauer und Hoffnung in den Gesichtern von prominenten Fußballspielern, all dies sind mit Liebe und Hingabe und großer Ehrfurcht vor dem Menschen geschaffene Werke der Malerin Britta von Willert.

 

Die Gesichter scheinen den wilden Landschaften einer noch unberührten Natur zu entspringen. Die tiefen Gräber des Erlebten und Durchlebten in den Gesichtszügen, sind die Zeugen eines Lebens in Liebe, Zorn, Hoffnung und Trauer.

 

Die Augen, deren magischem Blick man sich nur unschwer entziehen kann, widerspiegeln die wunderschöne aber auch bedrohliche Reise dieses Menschen durch die Jahre seines Lebens.

 

Aber die Vergänglichkeit dieses Lebens macht vielen Menschen auch Angst. Sie verdrängen, das Zeit genau das ist: unendliche Endlichkeit des Seins. Und da muten alle Versuche mit Messer oder Spritze diese menschliche Zeitreise anzuhalten, die Vergänglichkeit auszubremsen doch eher kläglich an und enden dann ja oft auch in Menschenbildern die eher wie Totenmasken erstarren als in Würde die Erkenntnis zu teilen, das Zeit nicht aufzuhalten ist.

 

Britta von Willert hat in ihren Bildern genau das erkannt, hat sich der Endlichkeit gestellt, lässt ihre Werke uns erkennen, dass wir dieses eine Leben mit allen Höhen und Tälern in uns aufsaugen müssen, um jedes Sekunde zu genießen, zu erfahren, das nur das Akzeptieren der Vergänglichkeit uns Stärke zum Leben gibt.

Ihre Bilder sind direkt, lassen kein Ausweichen zu, man kann nicht wegschauen, man kann nicht weglaufen, man kann sie nicht anhalten …die Zeit. Sie ist da schaut uns an und lässt – wenn wir es zulassen- in uns Demut aufkommen, vor dem Leben, der Schöpfung und der Vergänglichkeit.

 

Britta von Willert malt radikal und ganz direkt ihre Wahrheit auf die Leinwand. Mal schrill und farbig, mal verhalten in den Farben matt. Sie tut damit das, was große Kunst immer schon getan hat, sie reflektiert ihre Erkenntnis der Realität, der Wirklichkeit und des Lebens schonungslos wahrhaftig, abseits von allen Versuchen dieser kapitalen Verjüngungsindustrie die Zeit zurückzudrehen und schafft damit Kunstwerke, die in ihrer Einmaligkeit mitten im wirklichen Leben stehen.

 

Wenn Sie als Betrachter einen kleinen Ausschnitt aus dem breiten Spektrum dieser Betrachtungswelt der Malerin Britta von Willert erfahren wollen: dieses mal müssen sie sich wirklich auf die Reise zu den beiden anderen Trafos begeben, denn jeder Trafo zeigt nur einen Blickwinkel auf die Vergänglichkeit der Zeit in ihren Kunstwerken.

Ich wünsche Ihnen viele Genuss und ein wenig Erkenntnis über das Phänomen der Zeit und des Vergehens.

 

Gleich hier können sie schon mal anfangen nehmen sie sich einfach…die Zeit!

 

Als Charles Darwin 1859 sein Hauptwerk "Die Entstehung der Arten“ veröffentlichte, war Spott und Unglaube die Reaktion. Darwins Kritiker waren vor allem Geistliche und an der Bibel orientierte Wissenschaftler, die Darwins Theorie, dass alle Lebewesen von einem gemeinsamen Vorfahren abstammen würden, als absurd abstempelten. Und noch wird im Land der unbegrenzten Möglichkeiten – der selbsternannten Schöpfung der Moderne- Darwins Theorie teilweise  vehement abgelehnt und bekämpft.

 

Im Zoo und Tierpark, ja dort drücken wir uns die Nasen platt und eigentlich doch nur um zu sehen, wie viel menschliches da vor unseren Augen rumalbert, rumtollt und rumspielt  -und die Welt auf dem engen Raum ihres Käfigs trotzdem jeden Tag neu entdecken will.

 

Und recht eigentlich staunen wir doch immer wieder, wie ähnlich unsere vermeintlichen Vorfahren uns doch wirklich noch sind. Am liebsten sehen wir, wenn sie sich kratzen, nach Flöhen absuchen, Grimassen schneiden.. sich halt so richtig zum Affen machen.. dann klicken die Smartphones  und machen uns ein Bild von unserer eigenen humanen Vorvorzeit.

Hightech trifft Steinzeit.

 

Schimpansen sind unsere nächsten lebenden Verwandten im Tierreich. Und wer sich wissenschaftlich mit diesen Lebewesen befasst, der weiß, dass wir uns in vielen Dingen sehr ähnlich sind: Schimpansen basteln Werkzeuge, sie führen Kriege, kooperieren miteinander und manchmal handeln sie sogar uneigennützig und im Sinne der Gemeinschaft!

 

Die Kirche glaubt, der Mensch sei von der Hand Gottes geschaffen. Warum glauben das die Affen wohl nicht? Können Tiere überhaupt glauben. Haben Sie schon mal einen Affen beten sehen oder beichten? Facebook und Google als angebetete Götter der Neuzeit scheinen zu meinen, wenn der Mensch die Krone der Schöpfung Gottes ist, hat Gott auch das Recht alles über jeden zu wissen – die digitale Beichte eben…nur das hier alle mitlesen können.

Auch wir Menschen haben ab und an den Drang dem Affen zu richtig Zucker zu geben, einen Salto zu schlagen, dem fiesen Chef den Nackten zu zeigen…aber leider geht das nicht, wir müssen schön artig funktionieren. Wir sind eben zivilisiert und frei.

 

Gott lobe die Freiheit!

 

Aber dies alles lässt sich ertragen, weil es ja den Genuss des Wohlstands gibt.

Einigen aber reicht das nicht, um sich die Augen vor der Realität zuzuhalten, den Mund und die Ohren gleich mit.

 

Einer von ihnen ist Jörg Engelhardt. Er hat uns Menschen in seinen Affen versteckt, hat menschliche Schwächen und Entgleisungen in seiner Manege zusammengetrieben. Die Eitlen, die Chefs und Clowns, die Spaßmacher und Spielverderber….alle haben in seinem Affenzirkus Platz und ihre Dompteure gefunden.

 

Diese seine Affenwelt erarbeitet sich Jörg Engelhardt in dem gleichen Atelier, in dem auch der Hofbildhauer von Adolf dem großen Weltverderber – Arno Breker mit Namen- damals seine Übermenschen in Stein gemeißelt hat. Idealisiert, fehlerlos und makelfrei.

 

Ganz anders die Affen von Jörg Engelhardt- erfrischend klein, tierisch lustig, mit Fehlern und Macken ausgestattet…wie wir Menschen. Sie wollen König sein und Clown, Macho und Kobold.

 

Manchmal muss der Affe auch in der vegetarischen Argumentationskette herhalten, wenn zu beweisen ist, dass man auch ganz ohne Fleisch 300 kg auf die Waage bringen kann und affenstark ist – wie z.b. der Oran Uta.

Stimmt zwar nicht ganz, denn hätte die Vorfahren dieser Gattung in ihrer primatösen Phantasie nicht das Feuer erfunden und sich so ihre Gemskeule gar gekocht, hätten wir heute keinen Gutenberg, Da Vinci und Einstein in der stolzen Ahnengalerie menschlicher Genialität.

 

Also bleibt uns beim Bestaunen von Schimpi, Oran und Co. doch ein wenig die Bewunderung für Wesen, die, trotzdem uns die lange Kette der Evolution schon vor 20 Millionen Jahren getrennt hat, sich immer noch ihre fast kindliche Naivität und –Neugier erhalten haben und beim Bestaunen dieser Welt so gar nicht cool und affengeil sind.

 

Jörg Engelhardt lebt seine ungezügelte Lebenswut und schelmische Phantasie an seinen Figuren aus.

 

Seine Figuren sprechen zu uns. Von Trauer und Freude, von Lust und Last am Leben, von den vielen tausend Stimmungen, die unseren Alltag ausmachen. Sie tun das ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Naiv, ehrlich, hemmungslos…wie es nur Affen können und wir Menschen es größtenteils verlernt haben.

Engelhardt ist brillant in seiner Formgebung, immer auf dem Weg und immer das Gefühl vermittelnd, das seine Figuren noch nicht fertig sind, noch auf der Suche. Das Leben aber lässt uns oft nicht die Zeit für diese Suche. Das Leben braucht uns perfekt mit Haut und Haar und Haus und Hof am besten…und so klingeln die Kassen der Psycho-Heiler weiterhin krisenfest.

 

Aber Kunst kann das eben: über sich selber lachen, Fehler zeigen, den Phantasien Zucker geben, das Leben nach einem Sinn durchsuchen und manchmal einfach träumen….. als wären wir Affen. Dabei nimmt uns Jörg Engelhardt an die Hand und führt uns in seine Welt der Gleichnisse und Spiegel.

 

Also hereinspaziert in das Universum der Affen von Jörg Engelhardt, das für ein paar Wochen zuhause ist in der kleinsten Galerien der Welt, hier in Reitwein, in Dolgelin und Regenmantel auch

 (Regenmantel, März 2018)

 

Gedanken zum Tag.

 

Liebe Gäste, liebe alte und neue Freunde der TRAFO Galerien.

 

Heute möchte ich hier in Regenmantel die erste Ausstellung in diesem Jahre eröffnen. Die Gruppe „Grenzlandfotografen“ wird uns einen Einblick in ihr künstlerisches Schaffen gewähren.

 

Die Geschichte der Fotografie ist lang. Sie begann nicht erst mit dem berühmten Blick aus einem Arbeitszimmer in Le Gras. Aufgenommen wurde sie von Joseph Nicéphore Niépce 1826/1827. Er arbeitete zusammen mit Louis-Jacques-Mandé Daguerre an einem Verfahren, Bilder für die Ewigkeit festzuhalten. Die Belichtungszeit dauerte mehrere Stunden und noch heute ist diese Fotografie erhalten.

 

Nein, sie begann schon viel früher mit der Camera obscura (lateinisch für dunkle Kammer) und war ursprünglich ein abgedunkelter Raum mit einem Loch in der Wand. Leonardo Da Vinci erkannte erstmals die Nutzungsmöglichkeiten der Camera obscura.

 

Ab 1900 stellte die deutsche Aktien-Gesellschaft für Anilin-Fabrikation (kurz AGFA) Rollfilme für die Tageslichtwechslung in industrieller Produktion her.

 

Das war der Beginn der Fotografie, wie wir sie noch erlebt haben. Analog, spannend und auch eine wenig besonders.

 

Heute hat die Fotografie die Massen erreicht, Selfiewahn und Fotos von Schnitzel oder Schmollmund gehen digital um die Welt, junge Spaßvögel stehen sich vor den Fotokästen auf der Straße die Beine in den Bauch um vier schwarz/weiss Fotos zubekommen, aber eigentlich interessiert der spannenden Vorgang wie Licht und Chemie Bilder erzeugen kaum noch jemanden.

Ein Harvard Professor schlägt vor das Netz müsse vergessen lernen, Fotos ins Netzt gestellt sollten sich nach einer bestimmten Zeit wieder löschen..

 

Auch dieser Wunsch erhielt recht bald seine Entsprechung. Die digitale Verwertungsmaschine lässt nie lange auf sich warten:  Snapchat heißt der neue Run: Eine-Foto-App, mit der man Bilder verschicken kann, die sich nach einer bestimmten Anzahl von Sekunden selbst löschen. Mehr als 50 Millionen Fotos werden so täglich über Snapchat verschickt.

 

Mehr als jedes andere Bildmittel hat die Fotografie unsere Wahrnehmung der Welt geprägt und unser Verhältnis zur Wirklichkeit verändert.

 

Der Augenblick, der so vergänglich ist uns auch einen anderen Blick auf die Welt zeigen kann. Trotzdem hatte es die Fotografie nicht leicht ihren Weg in die Kunst zu finden.

Der Vorwurf: Der Fotograf kann mit Hilfe eines Apparates die Welt nur abbilden, während ein Maler oder Bildhauer in seinem Werk die Wirklichkeit transzendiert. Das andere Lager –meist Fotografen- glaubten zweitweise die Fotografie würde die Nachfolge der Malerei antreten und diese schließlich völlig ersetzen. Zum Glück - für die Malerei und die Fotografie - haben sich die Dinge anders entwickelt.

 

Heute hat die Fotografie ihren Platz im Großen Rund der Kunst gefunden.

Welchen Platz sie dort einnehmen kann möchten wir heute in unserer Ausstellung zeigen. Sieben Fotografen haben sich im Grenzland der Oder gefunden, um ihren Blick auf die Welt, ihre eingefrorenen Augenblicke des Lebens uns näher zu bringen. Ob verlassene Orte im Oderland, Hausbesetzer in Berlin, Menschen auf dem Dorf in Afrika, oder auf den Straßen von Madrid, Menschen in ihrer verletzlichen Nacktheit, oder Traumvisionen vom Fliegen, dies alles sind sie eben, die anderen Blickwinkel auf unsere Umwelt, unsere Nachbarn, die Welt da draußen.

 

Michael Anker, Christina Bohin, Malte P. Codenys, Jörg Engelhardt, Jörg Hannemann, Andreas Klug, Tosten Zentner und Falk Wieland gibt es nun seit über einem Jahre als Team der Oderlandfotografen. Sie haben den Weg genommen von ihre Heimat hier auch hinaus in die Welt. Sie zeigen uns, dass es überall Geschichten gibt, die irgendwie menschlich allzu menschlich sind, das Liebe, Hass, Wut und Trauer, aber auch das Träumen internationale sind. Sie verlassen für uns die heimisch gewordenen Wege, um uns von ihren Erlebnissen und Geschichten zu berichten.

Sie zeigen behutsamen Ansichten dieser Welt und ihrer Menschen, ganz anders als die Konsumwut der digitalen Segnungen millionenfach ins Netz gestellt.

 

Ab heute können wir einen ganz kleinen Ausschnitt davon in den drei TRAFO Galerien durch die camera obscura betrachten. Folgen sie den Spuren der Grenzlandfotografen und seien sie Gast in der ersten Ausstellung der TRAFO Galerien in diesem Jahr.

 

(Michael Pommerening, Regenmantel im Februar)

 

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© Michael Pommerening KunstRegen2014