Gedanken zum Tag.

 

Liebe Gäste, liebe alte und neue Freunde des TRAFO Galerien.

 

Heute möchte ich hier in Regenmantel die erste Ausstellung in diesem Jahre eröffnen. Die Gruppe „Grenzlandfotografen“ wird uns einen Einblick in ihr künstlerisches Schaffen gewähren.

Die Geschichte der Fotografie ist lang. Sie begann nicht erst mit dem berühmten Blick aus einem Arbeitszimmer in Le Gras. Aufgenommen wurde sie von Joseph Nicéphore Niépce 1826/1827. Er arbeitete zusammen mit Louis-Jacques-Mandé Daguerre an einem Verfahren, Bilder für die Ewigkeit festzuhalten. Die Belichtungszeit dauerte mehrere Stunden und noch heute ist diese Fotografie erhalten.

 

Nein sie begann schon viel früher mit der Camera obscura (lateinisch für dunkle Kammer) und war ursprünglich ein abgedunkelter Raum mit einem Loch in der Wand. Leonardo Da Vinci erkannte erstmals die Nutzungsmöglichkeiten der Camera obscura.

Ab 1900 stellte die deutsche Aktien-Gesellschaft für Anilin-Fabrikation (kurz AGFA) Rollfilme für die Tageslichtwechslung in industrieller Produktion her.

 

Das war der Beginn der Fotografie, wie wir sie noch erlebt haben. Analog, spannend und auch eine wenig besonders.

 

Heute hat die Fotografie die Massen erreicht, Selfiewahn und Fotos von Schnitzel oder Schmollmund gehen digital um die Welt, junge Spaßvögel stehen sich vor den Fotokästen auf der Straße die Beine in den Bauch um vier schwarz/weiss Fotos zubekommen, aber eigentlich interessiert der spannenden Vorgang wie Licht und Chemie Bilder erzeugen kaum noch jemanden.

Ein Harvard Professor schlägt vor das Netz müsse vergessen lernen, Fotos ins Netzt gestellt sollten sich nach einer bestimmten Zeit wieder löschen..

 

Auch dieser Wunsch erhielt recht bald seine Entsprechung. Die digitale Verwertungsmaschine lässt nie lange auf sich warten:  Snapchat heißt der neue Run: Eine-Foto-App, mit der man Bilder verschicken kann, die sich nach einer bestimmten Anzahl von Sekunden selbst löschen. Mehr als 50 Millionen Fotos werden täglich über Snapchat verschickt.

 

Mehr als jedes andere Bildmittel hat die Fotografie unsere Wahrnehmung der Welt geprägt und unser Verhältnis zur Wirklichkeit verändert.

 

Der Augenblick der so vergänglich ist uns auch einen anderen Blick auf die Welt zeigen kann. Trotzdem hatte es die Fotografie nicht leicht ihren Weg in die Kunst zu finden.

Der Vorwurf: Der Fotograf kann mit Hilfe eines Apparates die Welt nur abbilden, während ein Maler oder Bildhauer in seinem Werk die Wirklichkeit transzendiert. Das andere Lager –meist Fotografen glaubten zweitweise, die Fotografie würde die Nachfolge der Malerei antreten und diese schließlich völlig ersetzen. Zum Glück - für die Malerei und die Fotografie - haben sich die Dinge anders entwickelt.

 

Heute hat die Fotografie ihren Platz im Großen Rund der Kunst gefunden.

Welchen Platz sie dort einnehmen kann möchten wir heute in unserer Ausstellung zeigen. Sieben Fotografen haben sie im Grenzland der Oder gefunden, um ihren Blick auf die Welt, ihre eingefrorenen Augenblicke des Lebens uns näher zu bringen. Ob verlassene Orte im Oderland, Hausbesetzer in Berlin, Menschen auf dem Dorf in Afrika, oder auf den Straßen der…..Menschen in ihrer verletzlichen Nacktheit, oder Traumvisionen vom Fliegen, dies alles sind sie eben, die anderen Blickwinkel auf unsere Umwelt, unsere Nachbarn, die Welt da draußen.

 

Michael Anker, Christina Bohin, Malte P. Codenys, Jörg Engelhardt, Jörg Hannemann, Andreas Klug, Tosten Zentner und Falk Wieland gibt es nun seit über einem Jahre als Team der Oderlandfotografen. Sie haben den Weg genommen von ihre Heimat hier auch hinaus in die Welt. Sie zeigen uns, dass es überall Geschichten gibt, die irgendwie menschlich allzu menschlich sind, das Liebe, Hass, Wut und Trauer, aber auch das Träumen internationale sind. Sie verlassen für uns die heimisch gewordenen Wege, um uns von ihren Erlebnissen und Geschichten zu berichten.

Sie zeigen behutsamen Ansichten dieser Welt und ihrer Menschen, ganz anders als die Konsumwut der digitalen Segnungen millionenfach ins Netz gestellt.

 

Ab heute können wir einen ganz kleinen Ausschnitt davon in den drei TRAFO Galerien durch die camera obscura betrachten. Folgen sie den Spuren der Grenzlandfotografen und seien sie Gast in der ersten Ausstellung der TRAFO Galerien in diesem Jahr.

 

(Michael Pommerening, Regenmantel im Februar)

 

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© Michael Pommerening KunstRegen2014