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Gedanken zur Ausstellung

 

Urlaubsziele, Einkaufszentren oder Sonnenstudios: Im Alltag wird heute alles Mögliche als Paradies bezeichnet. In der Bibel kommt das Wort dagegen nur dreimal vor. Warum?

Keine Wünsche offen auf 1.200 Quadratmetern Verkaufsfläche im Einkaufsparadies.

Da scheint es so als ob die Konsumheiligtümer und -Tempel den Katechismus und die selige Kanzel gegen Rama, Saiitenbacher Joghurt und Jahreswagen getauscht haben. Der Garten Eden – einst vom Gottvater für seine heranwachsende Menschengeneration geschaffen- ist verschwunden, vom Gras des wuchernden Warenüberschuss verunkrautet.

Gott hat die ersten Menschen aus seinem Garten Eden vertrieben, als diese vom Baum der Erkenntnis gekostet haben – übrigens waren es die Frauen, die es nicht erwarten konnten.

 Heute werden wir wohl niemanden mehr aus dem Konsumparadies vertreiben können und mit der Erkenntnis, dass Überfluss dick und dumm macht, können wir wohl auch keinen mehr locken. Also bleibt den Menschen nur, das Paradies auf Erden zu suchen.

Und das finden wir- na raten sie mal…..ja na klar in der Kunst.

Evelin Grunemann hat - schaut man ihre Bilder an -wohl ihr Paradies gefunden. Und das nicht in der Bibel und auch nicht bei Lidl sondern in sich selbst. Sie schöpft in ihren Arbeiten aus ihrem Inneren aus ihren Erfahrungen, dem Alltag und einem kleinen Kobold, der sie ab und an treibt mit ihrer Kunst Verwirrung zu schaffen und dem Betrachter ein Rätsel aufzugeben.

So hat sie in ihrem Bild der „Neurosengarten“ – übrigens einem Mathematiker gewidmet- neben Farben und Ornamenten unzählige winzige kaum lesbare mathematische Formeln in dieses Kunstwerk gezeichnet, die übrigens alle samt exakt wissenschaftlich sind und jeder Prüfung standhalten.

Damit wollte sie ein Kunstwerk schaffen, das als Hauptinhalt das auf die Leinwand bringt, was einen Mathematiker eben so ausmacht. Ein zur Formel gewordenes Genie.

Wenn sie malt sagt Evelin Grunemann, ist sie in ihrem Paradies, mindestens aber auf der Suche danach, auch auf der Suche nach Erkenntnis, was den Menschen ausmacht.

Ähnlich wie Adam und Eva in ihrem einstigen Zuhause dem Paradies nascht auch Evelin Grunemann vom Baum der Erkenntnis. Nur sie wird wohl keiner von dort vertreiben können, kein Gott, kein König noch General.

In der Bibel begann mit der Vertreibung aus dem Paradies – dem schönen eingezäunten Garten (so die Urbezeichnung aus dem iranischen)- nun die ganze Härte des Lebens, die Erkenntnis, dass die Menschen  sich nun um sich selber kümmern müssen. Es begann die Zeit der Arbeitsteilung…..na und den Rest kennen sie.

Willkommen im verlorenen Paradies. Dieses Paradies hier zeigt uns die ganze Zerrissenheit zwischen Wollen und Sollen, zwischen Können und Tun, zwischen Chance und Realität. Das Paradies war das Idealbild vom Leben, das verlorene Paradies hingegen ist die Realität.

Um diese Realität täglich auszuhalten, mit ihr umzugehen nutzen einige Menschen den Glauben, andere wiederum wissen, dass keiner ihnen abnehmen kann, was sie nicht selber für sich tun.

Kunst kann dabei ein Mittel sein, ein Mittel zu Erkenntnis der Welt.

Denn Kunst gibt Hoffnung, schenkt uns die Phantasie diese Welt zu erkennen, hinter die bloßen Fassaden zu schauen, den Menschen den Schleier der Verdummung zu nehmen und sie erkennen lassen, dass sie den Weg dieser Erkenntnis selber finden und gehen müssen.

Und also gehen wir diesen Weg die Welt zu erkennen, hier vom Paradies auf Erden bis zum Ende dieser Welt.

(M.Pommerrening, Regenmantel im September 2021)

 

Ohne Form ist Farbe nichts. Ohne Farbe ist Form nichts.

Farbe und Form sind Eins.

 

Der das sagte, war der Schweizer Maler und Bauhaus-lehrender Meister Johannes Itten. Das heutige Verständnis von Farben geht auf den Farbkreis jenes Johannes Itten zurück. Dieser beinhaltete 12 Farben.

 

Die Wirkung und die Bedeutung der Farben im Zusammenhang mit der menschlichen Psyche wurden schon häufig untersucht. Jeder Mensch hat bestimmte Empfindungen, wenn er ein Rot, ein Blau oder ein Gelb sieht. Die Qualität einer einzelnen Farbe ändert sich aber in ihrem Kontext, d.h. im Zusammenspiel mit anderen Farben.

Wenn Du als Maler die Bedeutung der Farben kennst, kannst Du entsprechend damit spielen - Freude, Wut, Angst, Traurigkeit, Hoffnung ausdrücken und diese Emotionen beim Betrachter wecken. Farbe ist genau betrachtet nur eine Sinneswahrnehmung. Ein Gegenstand reflektiert das Licht, welches durch das Auge aufgefangen wird.

Wenn wir mit Farbe umgehen, dann ist das eine schwierige Gratwanderung zwischen spontanem, intuitivem Tun oder planvollem Vorgehen, das man dann Komposition nennt.

 

Bei mancher Fassadengestaltung hier und anderswo möchte man sich wünschen, der Malende hätte sich eher der Komposition als dem Spontanen zugewandt.

 

Ann Kristin Fleischhauer beschäftigt sich in ihrer Kunst sehr kreativ mit dem Zusammenspiel zwischen Form und Farbe. In ihrer Malerei schafft sie Figuren, die aus einem kreativen Formspiel entstehen. In ihrer Druckgrafik aber hat sie die Chance, die gleichen Figuren in unterschiedlichem Licht, also in unterschiedlicher Farbe auf uns wirken zu lassen.

 

Ann Kristin Fleischhauer liebt ihre Figuren so sehr, dass sie sie eigentlich nicht hergeben will, so als wären es ihre Kinder. Nicht für Ausstellungen und schon gar nicht zum Verkauf.

 

Vielleicht hat sie sich deshalb mit der Drucktechnik beschäftigt, um ihre Kinder immer wieder neu lebendig werden zu lassen, immer mehr davon ums sich zu scharen und sich vielleicht -irgendwann einmal- doch von einem zu trennen. Denn dann bleiben ihr ja immer noch die vielen anderen, die sich außer in der Farbe, wie ein Ei dem anderen gleichen.

 

Dieses nicht hergeben wollen, dieses sich dem Markt verweigern, ist selten geworden in der Kunst. So machte der globale Kunstmarkt beispielsweise im Jahre 2014 einen Umsatz von 51 Milliarden Euro. Schon lange ist Kunst zur Ware geworden, sodass die Frage: Ist Kunst nur, was sich verkauft ? nicht nur provokant gemeint ist, sondern realer Alltag.

 

Und so sind Künstler selten geworden, die Kunst als einen Prozess der Erkenntnis ansehen und nicht vordergründig als Business.

 

Natürlich sind Träumer, Phantasten, Verrückte und neben-der-Norm-Lebende in einer genormten, nur auf Gewinn ausgerichteten Gesellschaft selten geworden. Aber bei ihrer täglichen Hatz nach dem Höher-Weiter-Schneller braucht der Mensch diese im besten Sinne des Wortes Clowns der Gesellschaft, um nicht verrückt zu werden.

Eine Gegenbewegung zur drohenden Total-Quantifizierung dieses Lebens suchen diese Global Player der schon gar nicht mehr sozialen Marktwirtschaft in der Kunst. Dazu kommt die Ich-Optimierung im Zeitalter des Auslagerns von Sehnsüchten und Gefühlen in kalte, tote Apps. Sie lässt die Menschen oft in Depressionen verfallen, vom Mut zum Leben und dem Entdecken des Anderen verlassen.

 

Und so stecken sie ihr Geld in Kunst. Suchen dort Trost und Träume. Vielleicht haben diese vom Mut Verlassenen und vom Geld beherrschten Menschen schon früh erkannt, was von einigen Zeitgenossen heute noch oft belächelt oder gar abgelehnt wird. Das Kunst ein Lebensmittel ist, uns Hoffnung gibt und nicht allein lässt in der schnöden Welt des Geldes und der digitalen Entmenschlichung.

 

Ann Kristin Fleischhauer hat das für sich erkannt. Sie braucht Kunst für ihr Leben. Sie möchte sich mit ihrer Kunst umgeben, täglich, immer. In ihr schöpft sie den Mut und die Hoffnung für den Alltag, aus ihr schöpft sie die Kreativität, die sie zu leben braucht.

 

Heute lässt sie uns einen Blick wagen, in ihre Welt der Kunst, die sie so gar nicht als Ware feilbieten möchte. Wir erleben damit einen eher seltenen Augenblick, nutzen sie ihn.

 

Robin Williams, der viel zu früh gestorbene Hollywood Schauspieler, hat übrigens zu diesem Thema gesagt: "Uns ist im Leben nur ein ganz klein wenig Verrücktheit geschenkt worden, passt auf, dass ihr sie nicht verliert".

 

Viel Freude beim Anschauen der Kunst und bitte nichts verlieren.

 

Regenmantel, Juli 2021

 

 

Heute geht es in unserer Ausstellung wieder einmal um Theater. Genauer gesagt um Maskentheater. Ulrike Pommerening hat Masken zu einem Stück von Garcia Lorca –„Bluthochzeit“- entworfen und selber hergestellt. Sabine Pommerening hat die Bühne für das Freilichttheater in Netzeband entwickelt. Im August 2020 hatte das Stück dort Premiere.

So wie jedes Theaterstück, jeder poetische Text, Zeit und Geduld braucht, um in sein Inneres, seinen Kern vorzudringen, so ist auch Ulrike sehr geduldig und hat diese Poesie des Theaters für sich entdeckt.

Sie hat erkannt, dass Theater nichts starres ist, sondern sich immer die Frage gefallen lassen muss: Warum spiele ich dieses Stück heute und jetzt? 

Und Fragen stellt der dramatische Text ausreichend, von Aischylos über Shakespeare bis Lorca sind das immer die gleichen von Liebe und Macht, Leben und Tod. Die Figuren dieses ältesten Spiels aller Zeiten taumeln durch Zeit und Raum und suchen nach Antworten.

Ulrike hat diese Masken und ihre Figuren mit Liebe entwickelt liebt. Sie legt diese Liebe in ihre Arbeit, durchdringt selbst die finstersten Charaktere und gibt ihnen die Chance die Herzen der Zuschauer zu öffnen und zu bewegen.

Jeder, der in diese Welt der Figuren, Phantasien und Bilder eintaucht, wird erkennen, dass das Theater lebt, schon mehr als 2500 Jahre und es weiter leben wird, wenn es nur immer wieder von diesem Leben, der Liebe und Leidenschaft, dem Werden und Vergehen und auch den Träumen der großen und kleinen Helden erzählt.

„Bluthochzeit“ ist eine Tragödie von Federico García Lorca. Sie ist die erste lyrische Tragödie des spanischen Autors. Lorca schrieb das Theaterstück 1933.

Eine Braut flieht unmittelbar nach der Hochzeit mit dem schon lange geliebten und längst auch verheirateten Leonardo. Man ahnt es so gut wie die Mutter des Bräutigams, die bereits ihren Mann und den ersten Sohn verloren hat: Alles läuft auf einen blutigen Kampf hinaus- eine blutige Fede.

Garcia Lorca, am 5. Juni 1898 bei Granada geboren geniesst noch heute eine breite Popularität. Vielleicht auch weil er sich immer für die Opfer der Gesellschaft interessierte – für die Tagelöhner, die Frauen, die Sinti und Roma, die man damals noch Zigeuner nannte, für Homosexuelle.

Garcia Lorca stellte das Thema Tradition, überlieferte Normen und starre Verhaltenweisen in den Mittelpunkt seiner Triologie zu der ausserdem noch Yerma und Bernada Albas Haus gehören. In Lorcas Theaterstücken ging es meist darum, wie der Freiheitswille und die Sehnsucht nach der Moderne von den überlieferten spanischen Traditionen behindert werden. Aber dabei wollte er nie politisch sein und den Fortschritt nur durch seine Kunst erreichen.

 

 

Er hat sich damals auch geweigert, sich von den Kommunisten politisch vereinnahmen zu lassen.

Lorca nannte Spanien „das Land, das dem Tod geöffnet ist“: Und so sollte das  für ihn zur bitteren Wahrheit werden. Am 19. August wurde Garcia Lorca von spanischen Faschisten ermordet.

 

Ulrike und Sabine Pommerening haben sich in ihrer Arbeit am Stück „Bluthochzeit“ versucht dieser Zeit damals in Spanien zu nähern. Das Landleben unter der Gluthitze Andalusiens verlangte den Menschen auf dem Land damals oft das Letzte ab. Ihre ganze Kraft, ihren Mut und ihre Liebe legten sie in den Boden, der sie ernährte. Ihre Lieder und Tänzen sind lebendige Zeugen von dieser Liebe und so auch die Theaterkunst von Garcia Lorca.

 

Die Masken von Ulrike Pommerening erzählen von diesem entbehrungsreichen Leben der Menschen damals, aber auch von ihrer Liebe und dem Tod.

Masken begleiten die Menschen durch alle Zeiten. Masken kamen oft an Wendepunkten des Lebens zum Einsatz: Geburt, Hochzeit, Initiation, Krankheit und Tod. Die Magie lag dabei in der Maske selbst. Schon die Herstellung unterlag magischen Zeremonien.

Kunst bringt uns das Unbekannte, Geheimnisvolle, das Fremde näher. Manchmal hart und unerbittlich, manchmal liebevoll und tröpfchenweise.

Denn das ist Theater für alle, die es ernst und mit Humor nehmen, ein Spiel vom Leben, der Liebe und den Hoffnungen durch die Zeiten und Räume unseres Seins und des Universums.

 

Schauen sie in die Gesichter der Masken. In ihnen spiegelt sich der Wunsch der Menschen Erfüllung zu finden auf der Suche nach Wahrheit in ihrem Leben und ihrer Geschichte, die durch das Theater bewahrt und weitergeschrieben wird

 

Und so möchten wir  ihnen diese eine Idee, gegen alle digital verliebten – und kunstgeringschätzenden mit auf den Weg geben: Erhaltet und bewahrt diese eure Geschichten, denn nur sie werden euch überdauern und von euch erzählen, wenn ihre schon lange nicht mehre durch die irdischen Gärten wandelt. Und deshalb bleibt wahr, was unverzichtbar ist: THEATER MUSS SEIN !

 

Basta!

Und viel Spass beim Entdecken und Nachdenken.

 

Regenmantel, Juni 2021

 

 

 

Worte zur Ausstellung

 

Es ist schier unmöglich e i n Phänomen umfassend und geschichtlich sowie sozial  konkret und korrekt zu fassen. Dieses Phänomen heißt FRAU.

 

In der Wissenschaft wird in Hinblick auf die Entwicklungsgeschichte meist von sogenannten Archetypen Frau gesprochen. Da gibt es Einteilungen, Kategorien, Phänoanalyse und vieles mehr an sinnigem und manchmal auch unsinnigem.

Aus den Mythen und Heldengeschichten von der Antike bis heute wurde dieses Phänomen an den sogenannten Archetypen festgemacht: da ist die Heldin, die Abenteurerin, die Kritikerin, die Mütterliche, die Kriegerin oder Rebellin, die Weise, oder die Brückenbauerin.

 

Alles Archetypen, oder vielleicht auch nur Schubladen, in die sie aber oftmals gar nicht reinpasst oder reinpassen will – die Frau.

Frauen wie Männer tragen das weibliche und das männliche Element in sich. Und beide Geschlechter sind aufgrund ihrer gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und familiären Prägung immer noch auf das männliche Prinzip geeicht, das bisher in Erziehung, Schule, Wirtschaft und Gesellschaft Priorität hatte.

 

Erste Erwähnung in der Geschichte der Rollenverteilung bekamen bei den alten Griechen die Amazonen. Knapp 1.000 Jahre fanden sie bei den Griechen Erwähnung. Sie galten als die Töchter des Kriegsgottes Ares, waren bewaffnet, galten als die ersten Menschen die Pferde ritten und wurden wegen ihres Mutes wie Männer geachtet.

 

So zieht sich ein Frauenbild durch die Geschichte, dass sie als Kämpferin zeigt, als Mutter, als Seherin, als Königin, als Hohepriesterin, als Sklavin.

Und so hat die Geschichte sich an diesen Archetypen abgearbeitet und doch kein klares Bild von der Rolle der Frau entworfen. Bis heute ist das weibliche Element ein Mysterium geblieben. Gestraft und geachtet, gehasst und geliebt, begehrt und beleidigt.

 

In den Kirchenschriften des Mittelalters etwa hieß es:

Frauen sind labil, führen andere in Versuchung, sind zänkisch, herrisch und stets bemüht den Mann zu unterjochen und ihn jeder Lebensfreude zu berauben. Frauen sind für den Mann erschaffen worden und haben sich ihm deshalb zu unterwerfen . Von Natur aus minderwertig, sind sie dem Mann körperlich und geistig unterlegen“.

 

Angesichts solcher bizarren Entgleisungen von hauptsächlich kirchlichen Würdenträgern vom Mittelalters bis in unsere Tage - hier natürlich etwas wohlfeiler, in der Wortwahl geschliffen- versteht man doch zu gut die kämpferischen Breitseiten einer emanzipatorischen Frauenbewegung bis hin zu den umstrittenen Gendersternchen und holprigen Korrektheit der Nachrichtensprecher*in (!).

 

Dies alles und noch viel mehr, mag der Künstlerin durch den Kopf gehen, von der wir heute hier eine kleine Auswahl an Arbeiten zeigen wollen.

Anna Grau, geboren 1980 in Moskau und als Deutschrussin 1995 nach Berlin umgesiedelt, hat sich genau dieses Themas angenommen.

 

Zu ihrem „Lilith“ Zyklus sagt sie selber: „Die Idee zum ‚Lilith‘-Zyklus entsprang dem Wunsch, das aus männlicher Perspektive‚ angstmachende weibliche Element’ in einer Frau symbolhaft und emotional überhöht zu bearbeiten und auf die Leinwand bringen.

Für mich schwingt in den Frauen, die dieses Element in sich tragen, das Bild der frühgeschichtlichen Lilith mit: Lilith die Unruhestifterin, die Ungehorsame, die Provokateurin, die Andersdenkende, die Emanzipierte, die Androgyne, die Ausgestoßene, die Abstoßende — und doch zugleich die immerfort Lockende!

 

Hier ist es auf den Punkt gebracht, was Kunst vermag. Symbolen als Kraft des Mythischen, als Abbildung von Ideen, Vorstellungen, Träumen und Ängsten eine Gestalt zu geben. Hier mischt sich Reales und Mythisches mit einer Bildgewalt, die uns beim Betrachten in Atem hält. Die Frau als Ursprung der Natur, das Ying und Yang in Einem, mal Göttin und mal Hexe verkörpert sie die Kraft und einen nie versiegenden Lebenswillen.

 

Und man spürt beim Betrachten der Bilder diese tiefe Melancholie, die Anna Grau in sich trägt. Eine Melancholie die uns mitnimmt in ihre Welt aus Träumen und  Visionen. Die uns das Bild einer Frau vermittelt, die tief im Inneren vielleicht auch täglich diesen Kampf der Frauen mitlebt, durchlebt, diesen Kampf zwischen Göttin, Seherin und Hexe.

 

Das Himmlische und das Verruchte, zwischen diesen beiden Antipoden nimmt das bis heute ungeklärte Phänomen Weiblichkeit täglich erneut seinen Weg auf um zu klären, was nicht zu klären ist: Denn schon in der Bibel heißt es: Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn, männlich und weiblich schuf er sie“.

 

Also stellt sich gerade heute zum Osterfest immer wieder die Frage aller Fragen:

                         

                                         Ist Gott eine Frau?

 

Schauen sie selbst.

 

Michael Pommerening      

(Regenmantel im Corona März 2021)

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© Michael Pommerening KunstRegen 2019